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✉️ DIE BRIEFE VON PAULUS AN DIE PHILIPPER & KOLOSSER

Lektion 1: Verfolgt, aber nicht verlassen


📘 1.4 Paulus und Kolossä

Das Evangelium jenseits von Paulus’ Schritten


🟦 Einleitung

Kolossä – eine Stadt abseits des Zentrums, kaum historisch erforscht, keine große Gemeinde wie in Ephesus oder Korinth. Und doch: Sie wird von Paulus mit einem der tiefsten theologischen Briefe des Neuen Testaments bedacht.

Erstaunlich: Paulus war vermutlich nie dort, und dennoch war sein Einfluss spürbar – durch Epaphras, einen seiner treuen Mitarbeiter.

Was sagt uns das? – Dass Gottes Werk nicht an Orte gebunden ist, die wir selbst besuchen können. Und dass Veränderung oft durch Menschen geschieht, die sich senden lassen, auch wenn sie „nur“ Zuhörer waren.

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📖 Bibelstudium

🔍 1. Kolossä – Evangelisation durch Multiplikation

„Epaphras, der einer von euch ist, ein Knecht Christi Jesu, lässt euch grüßen…“Kolosser 4,12

Epaphras war kein Apostel, kein Paulus. Und doch: Er war der Mann, der Kolossä erreichte.

Wie?
Höchstwahrscheinlich hörte er Paulus in Ephesus (Apg 19,10), wurde bekehrt, ausgebildet – und ging zurück nach Hause, um dort das Evangelium weiterzugeben.

➡️ Paulus wirkte durch Epaphras – eine Multiplikationsstrategie.
Es war nicht notwendig, überall selbst hinzugehen, wenn das Evangelium durch treue Mitarbeiter verbreitet wurde.

✍️ „Jeder echte Jünger ist ein Missionar.“ – EGW


🔍 2. Philemon, Onesimus und das Evangelium der Gleichwertigkeit

Philemon 15–16:

„Denn vielleicht war er darum eine Zeitlang von dir getrennt, damit du ihn auf ewig wiederbekommst, nicht mehr als einen Sklaven, sondern als einen geliebten Bruder…“

Onesimus war ein entlaufener Sklave, der zu Paulus kam – vermutlich zufällig, vielleicht auch gezielt.
Paulus bekehrte ihn – und schickte ihn zurück an seinen früheren Besitzer, aber nicht als Eigentum, sondern als Bruder in Christus.


🧾 Römisches Recht vs. Evangelium

  • Nach römischem Recht hätte Onesimus bestraft werden müssen.

  • Doch Paulus stellt das Evangelium über das Gesetz.

  • Er zwingt Philemon nicht, sondern appelliert an seine Liebe.

„Wenn du mich für deinen Bruder hältst, so nimm ihn auf wie mich.“Philemon 17

Was Paulus hier zeigt, ist revolutionär:

  • Nicht politisch, sondern geistlich-sozial.

  • Nicht mit Gewalt, sondern durch Veränderung des Herzens.


🧭 Was sagt Ellen White zur Sklaverei?

In der Zeit der amerikanischen Sklaverei schrieb Ellen White sehr deutlich:

„Wenn ein Mensch durch das Gesetz verpflichtet ist, einen Sklaven zurückzubringen, dann steht er in der Pflicht, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen.“ – EGW, 2T 69

➡️ Damit hebt sie hervor: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit stehen über menschlichen Ordnungen, wenn sie dem Evangelium widersprechen.

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🗣️ Antworten zu den Fragen

Frage 1: Zu welcher Vorgehensweise ruft Paulus Philemon auf, und wie können wir mit seiner Zurückhaltung gegenüber der Sklaverei umgehen?

Paulus ruft nicht zur Revolution, sondern zur geistlichen Transformation.
Er fordert Philemon nicht gesetzlich, sondern führt ihn zur geistlichen Entscheidung, Onesimus nicht mehr als Sklaven, sondern als Bruder in Christus zu behandeln.

Warum diese Zurückhaltung?
Weil das Evangelium nicht in erster Linie eine politische Bewegung ist, sondern eine Veränderung des Menschen von innen heraus.

➡️ Paulus pflanzt einen Samen, der Jahrhunderte später zur Abschaffung der Sklaverei führen würde.

🔁 Anwendung:

Auch wir stehen heute oft vor Systemen, die ungerecht sind. Wir können:

  • mit Liebe und Wahrheit handeln,

  • unsere Stimme erheben, ohne zu verurteilen,

  • Veränderung anstoßen, durch das Herz, nicht nur durch Protest.

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💎 Geistliche Prinzipien

  1. Das Evangelium verbreitet sich durch treue Jünger – nicht nur durch Apostel.

  2. Geistliche Verantwortung beginnt dort, wo du lebst – wie bei Epaphras.

  3. Wahre Veränderung beginnt im Herzen, nicht im System.

  4. Evangelium bedeutet: Niemand ist mehr „Sklave“ – jeder ist Bruder oder Schwester.

  5. Liebe ist stärker als Gesetz.

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🛠️ Anwendung im Alltag

  • Sei bereit, das Evangelium auch dort weiterzugeben, wo du bist – in Familie, Schule, Beruf.

  • Lass dich von Paulus inspirieren, Menschen nicht nach ihrer Vergangenheit, sondern nach ihrer neuen Identität in Christus zu sehen.

  • Wenn du soziale Ungerechtigkeit siehst, handle mit Herz und Wahrheit – wie Paulus es tat.

  • Frag dich: Wem kann ich wie Epaphras Hoffnung bringen? Wen kann ich wie Philemon „neu sehen“?

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Fazit

Kolossä wurde nicht durch Paulus erreicht – sondern durch einen seiner Schüler.
Ein entlaufener Sklave wurde nicht verurteilt – sondern als Bruder aufgenommen.

➡️ Das ist die Kraft des Evangeliums:
Es verändert Menschen, Beziehungen, ganze Städte – durch Liebe, Wahrheit und geistliche Autorität.

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💭 Gedanke des Tages

„Das Evangelium verändert nicht nur die Stellung des Menschen vor Gott – sondern auch seinen Blick auf andere.“

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✍️ Illustration

„Der Ruf in die Anden“
Freiheit, die vom Herzen kommt – Eine Geschichte aus Bolivien


🟩 TEIL 1: Der Junge vom Rand der Stadt

Mateo Morales, 17 Jahre alt, lebt am Rande von El Alto, einer Stadt auf über 4.000 Metern Höhe nahe La Paz, Bolivien. Die Luft ist dünn, die Straßen staubig. Mateo ist aufgewachsen in schwierigen Verhältnissen:
Sein Vater ist verschwunden, die Mutter kämpft ums Überleben, sein älterer Bruder im Gefängnis.

Mateo beginnt mit kleinen Diebstählen. Er schließt sich einer Jugendgang an – nicht aus Bosheit, sondern weil es „Familie“ ist.
Eines Tages stiehlt er ein Handy von einem amerikanischen Missionar, Joshua Bell, der in La Paz ein Jugendzentrum leitet.


🟩 TEIL 2: Begegnung in der Nacht

Joshua entdeckt den Diebstahl, aber statt zur Polizei zu gehen, sucht er Mateo.
Er findet ihn in einer Seitengasse – verängstigt, aggressiv, aber innerlich leer.

Joshua sagt nur einen Satz:

„Was du genommen hast, kann ersetzt werden. Aber was du suchst, nicht.“

Er lädt Mateo ins Zentrum ein: „Komm morgen. Kein Zwang. Nur Frühstück. Und Respekt.“
Mateo kommt. Zögerlich. Aber hungrig – nicht nur nach Essen.


🟩 TEIL 3: Die Schule der Veränderung

Im Zentrum erlebt Mateo etwas völlig Neues:

  • Kein Urteil.

  • Kein Druck.

  • Nur Menschen, die glauben, dass er mehr ist als seine Vergangenheit.

Er hört zum ersten Mal vom Evangelium – von Jesus, der Sklaven zu Brüdern macht.
Joshua liest mit ihm den Philemonbrief. Mateo fragt:

„Also war dieser Onesimus wie ich?“
„Ja. Und Paulus hat ihn nicht verurteilt. Er hat ihn umarmt.“

Mateo bleibt. Hilft beim Kochen. Lacht zum ersten Mal wieder. Lernt lesen. Und schließlich betet er – vorsichtig, leise – aber ehrlich.


🟩 TEIL 4: Die Stimme der Berufung

Ein Jahr später: Mateo ist 18. Getauft. Hoffnungsvoll.
Er fragt Joshua:

„Darf ich zurückgehen? Ich will den Jungs erzählen, was ich erlebt habe.“

Joshua schaut ihn an – lange – dann sagt er:

„Wie Epaphras – du bist einer von ihnen. Du musst nicht mehr fliehen. Du bist jetzt Gesandter.“

Mateo geht zurück in sein Viertel. Er beginnt mit einer offenen Bibelrunde. Keine große Gemeinde – aber ein Wohnzimmer, ein Tisch, und Herzen, die zuhören.


🟩 TEIL 5: Der verlorene Bruder

Eines Tages taucht Rafa, Mateos Bruder, auf – auf Bewährung aus dem Gefängnis.
Er ist zynisch. Wütend. Misstrauisch.
Doch Mateo nimmt ihn auf – wie Philemon den Onesimus.

Er sagt:

„Du bist nicht mein Feind. Du bist mein Bruder.“

Langsam taut Rafa auf. Er kommt zur Bibelrunde. Fragt. Streitet. Bleibt.


🟩 TEIL 6: Der Wandel

Ein Jahr später ist aus der kleinen Runde eine Gruppe von 25 Jugendlichen geworden – viele ohne Vater, ohne Richtung, aber mit Hunger nach Wahrheit.
Sie nennen sich selbst: „La Familia Libre“ – Die freie Familie.

Joshua schreibt an einen Freund in den USA:

„Ich habe Kolossä nie besucht – aber dort lebt jetzt das Evangelium.“


🟩 TEIL 7: Die Rückkehr

Nach vier Jahren Ausbildung an einer adventistischen Schule kehrt Mateo zurück in sein Viertel – nicht als der Dieb von früher, sondern als Lehrer, Mentor, Evangelist.

Sein Bruder Rafa hilft ihm, neue Gruppen zu gründen.
Die „freie Familie“ ist inzwischen in vier Stadtteilen aktiv – mit Mahlzeiten, Gebet, Jüngerschaft und Hoffnung.

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📌 Schlussgedanken zur Geschichte

Wie Epaphras war Mateo nicht berufen, berühmt zu sein, sondern treu.
Wie Onesimus wurde er nicht abgeschrieben, sondern angenommen.
Wie Paulus stand Joshua zwischen Gesetz und Gnade – und entschied sich, den Weg der Liebe zu wählen.

Diese Geschichte zeigt:
Evangelium geschieht nicht in Hallen, sondern in Herzen.
Veränderung beginnt nicht mit Forderung, sondern mit Annahme.
Und: Südamerika ist voller junger „Epaphras’“, die nur darauf warten, gesendet zu werden.

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