đ DAS 2. BUCH MOSE
âȘ Lektion 5: Passa
đ 5.5 Das göttliche Gericht
âš Das göttliche Gericht â Wenn Gerechtigkeit offenbar wird
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đŠ Einleitung
Die zehnte und letzte Plage war der Höhepunkt göttlichen Eingreifens gegen das Ă€gyptische UnterdrĂŒckungssystem. Was als Befreiungsversprechen begann, findet nun seine radikale ErfĂŒllung: Die Erstgeborenen der Ăgypter sterben â ein tief erschĂŒtterndes, aber gerechtfertigtes Gericht.
Warum traf Gott gerade die Erstgeborenen? Was sagt das ĂŒber Gerechtigkeit, Vergeltung, aber auch ĂŒber Hoffnung aus? Und was bedeutet das fĂŒr uns, in einer Welt voller Ungerechtigkeit, Schmerz und Konsequenzen?
Diese Lektion bringt uns an den Punkt, an dem wir die Schwere der SĂŒnde und die Tiefe göttlicher Gerechtigkeit begreifen â aber auch erkennen dĂŒrfen: Rettung geschieht durch das Blut eines Lammes.
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đ Bibelstudium: 2. Mose 12,29â30 + HebrĂ€er 11,28
Thema: âDas Gericht ĂŒber die Erstgeborenen â Letzte Konsequenz oder letzte Chance?â
Textgrundlage: 2. Mose 12,29â30 / HebrĂ€er 11,28 / 2. Mose 1,16â22 / 2. Mose 15,11 / 2. Mose 18,11
đč1. Historischer und biblischer Kontext
Die Geschichte der zehn Plagen ist kein Mythos und kein MĂ€rchen â sie ist Gottes direkte Konfrontation mit einem unterdrĂŒckerischen System, das sich gegen Leben, Freiheit und Wahrheit richtet.
Pharao war mehr als ein Mensch â er war der Inbegriff eines göttlich legitimierten Machtapparats, der sein eigenes Volk und andere Nationen versklavte. Die zehnte Plage richtet sich nicht nur gegen Pharao, sondern gegen alles, was er symbolisierte:
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Macht ohne Gerechtigkeit
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Religion ohne Wahrheit
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Fortschritt ohne RĂŒcksicht auf das Leben
Die Entscheidung, die Erstgeborenen zu treffen, ist also nicht grausam â sondern konsequent. Es ist der letzte Schritt, nachdem neun Mal Gott gewarnt, gewartet und geworben hatte.
đč2. Warum die Erstgeborenen?
In der altorientalischen Kultur waren Erstgeborene TrĂ€ger des Erbes, der IdentitĂ€t und der Hoffnung einer Familie. Sie standen symbolisch fĂŒr:
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Die Zukunft einer Familie
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Die FortfĂŒhrung der Linie
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Den Stolz und Status der Eltern
In Ăgypten hatte dies zusĂ€tzlich religiöse Dimensionen:
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Der Sohn des Pharaos galt als göttlich.
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Göttinnen wie Isis, Heqet oder der Gott Min galten als BeschĂŒtzer des Lebens, der Fruchtbarkeit, der Kinder.
Die zehnte Plage war daher:
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Ein Schlag gegen die religiösen Konzepte Ăgyptens
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Eine Entlarvung der Machtlosigkeit aller Götzen
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Eine Spiegelung der SĂŒnde Ăgyptens selbst: Denn sie hatten Israels Erstgeborene ermordet (2. Mose 1,16â22)
â Gottes Gericht ist nie willkĂŒrlich â es ist Spiegel und Antwort.
Was Menschen sÀen, das werden sie ernten.
đč3. Das Passa als Gnadengeschenk mitten im Gericht
Gott hÀtte ohne Vorwarnung richten können.
Doch stattdessen bietet er Rettung an â durch ein Opfer, durch ein Lamm, durch Glauben und Gehorsam.
Das Passa war:
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Ein Zeichen des Glaubens: Nicht das Verstehen rettete â sondern das Vertrauen
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Ein Zeichen der Abgrenzung: Wer gehorchte, war unter dem Schutz
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Ein Zeichen der Erlösung: Nicht durch Leistung, sondern durch das Blut des Lammes (HebrÀer 11,28)
†Der Schutz vor dem Verderben lag nicht in der Herkunft, im Status oder im Wissen â sondern allein im Blut.
Parallele zum Evangelium:
Jesus ist unser Passalamm (vgl. 1. Kor 5,7). Nur sein Blut kann uns retten vor dem ewigen Gericht.
Gott richtet â ja. Aber zuerst bietet er Schutz an.
đč4. Der Charakter Gottes im Gericht
Wir mĂŒssen lernen, Gott nicht nur als âliebâ zu sehen â sondern als heilig, gerecht, langsam zum Zorn und reich an Gnade.
Gott ist kein Tyrann â aber auch kein Zuschauer.
In Ex 12,29-30 sehen wir:
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Gottes Konsequenz â Er handelt, wenn die Zeit reif ist
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Gottes Kontrolle â Er wĂ€hlt das Ziel (Erstgeborene), die Zeit (Mitternacht), den Ort (ganz Ăgypten)
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Gottes Geduld â Er hatte neunmal vorher gewarnt!
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Gottes Gnade â Er bietet vorher Rettung an!
â Gott richtet nicht, weil er wĂŒtend ist â sondern weil er gerecht ist.
Und seine Gerechtigkeit ist nie getrennt von seiner Gnade.
đč5. Gericht als Antwort auf systemische SĂŒnde
Die zehnte Plage trifft nicht nur einzelne SĂŒnder â sondern ein ganzes System, das ĂŒber Generationen hinweg:
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Kinder getötet,
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Völker versklavt,
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Gottes Stimme ignoriert hat.
Gottes Gericht trifft Strukturen, nicht nur Taten.
So ist es auch heute:
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Systeme, die Leben zerstören (Menschenhandel, Umweltzerstörung, Ausbeutung)
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Systeme, die Wahrheit unterdrĂŒcken (Propaganda, Zensur, religiöse Verfolgung)
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Systeme, die Macht ĂŒber Menschlichkeit stellen
Gott bleibt nicht stumm â irgendwann spricht er durch Ereignisse, ErschĂŒtterung und Gericht.
đč6. Was hat das mit uns zu tun?
đ§ Die Geschichte der zehn Plagen ist nicht Vergangenheit â sie ist Prophetie.
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Auch heute gibt es moderne Pharaonen â politische, wirtschaftliche, ideologische.
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Auch heute gibt es unschuldiges Blut, das vom Boden zu Gott schreit.
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Auch heute bietet Gott Schutz an â aber nicht unbegrenzt.
Die entscheidende Frage lautet:
âBin ich unter dem Schutz des Lammes â oder lebe ich in eigener StĂ€rke?â
đč7. Die tiefe Wahrheit des Passas:
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Gott rettet durch Ersatz.
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Ein Unschuldiger stirbt â damit Schuldige leben.
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Ein Lamm gibt sein Blut â damit das Verderben vorĂŒbergeht.
Was damals in Ăgypten wörtlich geschah, geschieht heute geistlich:
Wer auf Christus vertraut, steht nicht unter Verdammnis â sondern unter Gnade.
đč8. Geistliche Lektionen fĂŒr heute
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Das Gericht ist real â aber nicht ohne Warnung
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Glaube zeigt sich in Gehorsam
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Unsere Entscheidungen haben tiefe Auswirkungen auf andere
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Kein Götze, keine Technologie, keine Leistung kann retten â nur das Blut Jesu
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Gottes Ziel ist immer Rettung â nie Zerstörung
Schlussgedanken
Die zehnte Plage ist vielleicht eine der hĂ€rtesten Geschichten der Bibel â aber sie ist auch eine der klarsten Offenbarungen des Evangeliums.
Gott richtet â ja. Aber zuerst ruft er.
Er warnt.
Er bietet Rettung.
Er wartet.
Doch wenn das MaĂ voll ist, handelt er â gerecht, heilig und endgĂŒltig.
Was bedeutet das fĂŒr dich heute?
Bin ich bereit?
Lebe ich unter dem Schutz?
Oder bin ich taub gegenĂŒber den Warnungen Gottes?
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â Antworten zu den Fragen
đ Frage 1: Lies 2. Mose 12,29â30. Warum konzentrierte sich Gott auf die Erstgeborenen (siehe auch HebrĂ€er 11,28)?
Die Entscheidung Gottes, in der zehnten und letzten Plage die Erstgeborenen zu treffen, war weder willkĂŒrlich noch grausam, sondern zutiefst symbolisch, gerecht und zielgerichtet. Sie war die letzte Konsequenz eines langen göttlichen Handlungsweges, geprĂ€gt von Geduld, Barmherzigkeit und zahlreichen Warnungen.
In der damaligen antiken Gesellschaft hatte der Erstgeborene eine besondere Rolle:
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Er war TrÀger des Segens,
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Er reprÀsentierte die Hoffnung der Familie,
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Er war Erbe und Garant der Zukunft.
Im Fall von Ăgypten kam eine weitere, tiefere Dimension dazu:
Der erstgeborene Sohn des Pharaos galt als âSohn eines Gottesâ â als Bindeglied zwischen der göttlichen und der irdischen Welt. Pharao selbst war nicht nur König, sondern wurde als Inkarnation eines Gottes (Ra oder Horus) angesehen. In diesem System hatten die Erstgeborenen eine sakrale, fast göttliche Bedeutung.
Indem Gott die Erstgeborenen traf, demaskierte er die Machtlosigkeit der Àgyptischen Religion. Götter wie:
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Isis, die Kinder schĂŒtzen sollte,
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Heqet, die Frauen bei der Geburt begleitete,
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Min, der Gott der Fruchtbarkeit,
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und viele weitere Fruchtbarkeits- und Familienschutzgötter
â alle wurden in ihrer UnfĂ€higkeit bloĂgestellt, das Volk zu retten oder auch nur ein Kind zu bewahren. Die Plage war ein Gericht ĂŒber Ăgyptens Götter, nicht nur ĂŒber seine Menschen (vgl. 2. Mose 12,12).
DarĂŒber hinaus war es auch eine göttliche Antwort auf das Unrecht, das Ăgypten zuvor an Israel verĂŒbt hatte. In 2. Mose 1 lesen wir, wie Pharao befahl, alle neugeborenen Söhne Israels zu töten, um das Volk zu kontrollieren und seine VerheiĂung zu zerstören. Was nun geschieht, ist kein blinder Vergeltungsschlag, sondern eine Form von gerechter Wiederherstellung:
âWas der Mensch sĂ€t, das wird er erntenâ (Galater 6,7).
Aber Gott handelt nicht einfach nach dem Prinzip âAuge um Augeâ. Er hat neun Gelegenheiten zur Umkehr gegeben â neun Plagen, jede einzeln angekĂŒndigt, jede in ihrer IntensitĂ€t gesteigert. Erst nachdem alle Warnungen ignoriert wurden, folgt das Urteil.
Die Entscheidung, die Erstgeborenen zu töten, richtet sich also:
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gegen den Kern der Àgyptischen IdentitÀt,
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gegen den Stolz und die religiöse Arroganz des Systems,
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gegen das gottgleiche Selbstbild des Pharaos.
Und zugleich richtet sie sich zugunsten der UnterdrĂŒckten, deren Kinder zuvor ermordet worden waren.
HebrĂ€er 11,28 zeigt, dass Mose durch Glauben das Passa einsetzte, damit âder Verderber die Erstgeborenen nicht anrĂŒhreâ. Das bedeutet: Gottes Gericht unterscheidet â und Gehorsam im Glauben bewahrt vor dem Verderben.
Israel war nicht besser als Ăgypten â aber Israel vertraute dem Blut des Lammes.
đ Frage 2: Wie hast du unter den SĂŒnden anderer gelitten? Auf welche Weise haben andere unter deinen SĂŒnden gelitten? Worin liegt unsere einzige Hoffnung?
Diese Frage fordert uns zu ehrlicher Selbsterkenntnis auf. Sie lĂ€dt uns ein, die RealitĂ€t der SĂŒnde nicht als Theorie, sondern als persönliche, tragische Erfahrung zu betrachten â sowohl als Opfer als auch als TĂ€ter.
Wie haben wir unter der SĂŒnde anderer gelitten?
Jede/r von uns kennt Momente, in denen wir:
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belogen wurden und das Vertrauen zerbrach,
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verletzt wurden durch Worte, die wie Pfeile trafen,
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verlassen oder enttÀuscht wurden, vielleicht von Menschen, die uns nahe standen,
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unter Ungerechtigkeit litten, sei es am Arbeitsplatz, in der Familie oder in der Gesellschaft.
Manche dieser Wunden heilen schwer oder gar nicht ganz. Sie begleiten uns, formen uns, lĂ€hmen manchmal unser Vertrauen in andere â und sogar in Gott.
Doch dann kommt die ehrliche Gegenfrage:
Wie haben andere unter unserer SĂŒnde gelitten?
Auch wir haben:
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ungeduldig geredet, wo ein Herz Trost gebraucht hÀtte,
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selbstbezogen gehandelt, wo jemand auf uns zÀhlte,
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Grenzen ĂŒberschritten, wo jemand verletzlich war.
Unsere Worte, Taten oder Unterlassungen haben Spuren hinterlassen. Vielleicht kennen wir nicht alle ihre Auswirkungen â aber Gott kennt sie.
In der Bibel sehen wir:
SĂŒnde ist nie privat. Sie breitet sich aus wie ein Virus â sie verletzt, infiziert, zerstört Beziehungen. Oft leiden nicht nur die Schuldigen selbst, sondern viele Unschuldige mit (siehe die Ăgypter in der 10. Plage).
Das bringt uns zur letzten und wichtigsten Frage:
Worin liegt unsere einzige Hoffnung?
Unsere Hoffnung liegt nicht in Selbstverbesserung, nicht in Reue allein, nicht in Gerechtigkeit durch eigene Kraft.
Unsere einzige Hoffnung ist das, was Israel hatte:
Ein Lamm.
Ein Blut an der TĂŒr.
Ein Opfer, das stellvertretend stirbt.
Jesus Christus ist unser Passalamm (1. Kor 5,7). Sein Blut spricht nicht von Tod, sondern von Leben. Es schĂŒtzt nicht nur vor irdischem Verderben, sondern vor ewigem Gericht. Es bedeckt unsere Schuld â und heilt zugleich die Wunden, die uns andere zugefĂŒgt haben.
Gottes Gnade bedeutet:
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Ich bin nicht auf ewig definiert durch meine Fehler.
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Ich darf Vergebung empfangen â und sie weitergeben.
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Ich muss nicht in Bitterkeit leben, sondern kann mit Gottes Hilfe Versöhnung suchen.
Unsere Hoffnung heiĂt nicht âBesserungâ, sondern Erlösung.
Und diese ist ein Geschenk â fĂŒr jeden, der im Glauben unter das Blut tritt.
âš Zusammenfassung beider Antworten:
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Gottes Gericht ĂŒber die Erstgeborenen war gerecht, notwendig und zielgerichtet.
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Es war die letzte Konsequenz nach viel Geduld und Gnade.
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Die Erstgeborenen symbolisierten die Macht und das Erbe Ăgyptens â das Zentrum des Stolzes wurde getroffen.
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Das Passa war der Weg zur Rettung â durch Blut, nicht durch Verdienst.
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Unsere einzige Hoffnung heute liegt ebenfalls im Opfer Christi.
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SĂŒnde hat Konsequenzen â aber Gnade hat das letzte Wort.
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âš Geistliche Prinzipien
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Gottes Gericht ist gerecht und gezielt â nie willkĂŒrlich
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SĂŒnde hat Konsequenzen, fĂŒr uns und andere
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Götzen â auch moderne â sind machtlos in Krisenzeiten
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Barmherzigkeit und Schutz finden wir allein unter dem Blut des Lammes
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Glaube handelt â es reicht nicht, die Wahrheit zu kennen; man muss danach leben
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đ§© Anwendung im Alltag
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Reflektiere ehrlich: Welche deiner Entscheidungen haben anderen geschadet? Bitte Gott (und ggf. Menschen) um Vergebung.
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Wenn du leidest unter dem Verhalten anderer: Bring deinen Schmerz zu Gott â er kennt die Ungerechtigkeit und handelt zur rechten Zeit.
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Erkenne moderne Götzen: Erfolg, Kontrolle, Sicherheit, Image â sie retten dich nicht.
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Vertrau aktiv auf Christus â tĂ€glich, bewusst, dankbar.
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Erinnere dich im Leid: Gott sieht dich, und sein Gericht bedeutet auch Hoffnung fĂŒr die UnterdrĂŒckten.
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â Fazit
Die zehnte Plage war das Gericht Gottes â klar, gerecht und unausweichlich. Doch sie war auch ein Schutzsignal fĂŒr alle, die unter dem Blut des Lammes standen.
Die Frage ist nicht, ob das Gericht kommt â sondern:
Wo wirst du stehen, wenn es kommt?
Nur unter Gottes Schutz ist Sicherheit. Und nur dort beginnt echte Hoffnung.
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đ Gedanke des Tages
âWas der Mensch sĂ€t, das wird er ernten. Aber durch Christus kann selbst aus der Saat der Schuld eine Ernte der Gnade wachsen.â
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âïž Illustration â âAls das Licht schwiegâ
Eine Geschichte ĂŒber Schuld, Gnade und die Rettung durch das Blut â aus SĂŒdafrika
Kapitel 1 â Das Erbe
Mosselbaai, Westkap, SĂŒdafrika. Die KĂŒste funkelte, als hĂ€tte Gott selbst Diamanten in den Ozean gelegt. Doch weiter im Landesinneren, jenseits der Touristenpfade, begann eine andere RealitĂ€t â die der Townships, WellblechhĂŒtten, verfallenen Schulen und endlosen Warteschlangen vor den Kliniken.
Dumisani Mahlangu, 48 Jahre alt, war der mÀchtigste Mann der Provinz.
CEO von KuhleChem, einem Konzern, der Pestizide, Gentechnik und billige Agrarprodukte produzierte. Er war der Sohn eines Apartheid-WiderstandskĂ€mpfers â und doch warf man ihm heute genau das vor, was sein Vater einst bekĂ€mpft hatte: Ausbeutung. Korruption. UnterdrĂŒckung.
âEs ist fĂŒr das Wirtschaftswachstumâ, sagte Dumisani in Interviews.
âWenn wir nicht produzieren, hungert Afrika.â
Sein Sohn Sipho, 17 Jahre alt, war sein ganzer Stolz. Intelligent. Sportlich. Anerkannt. Er sollte einmal das Unternehmen ĂŒbernehmen, das FamilienvermĂ€chtnis weiterfĂŒhren. Sipho war sein Erstgeborener â sein Erbe.
Kapitel 2 â Die Stimme aus der WĂŒste
In einem kleinen Ort namens Riverside, nur 40 Kilometer entfernt, lebte ein unscheinbarer Pastor:
Themba Ndlovu, ein Mann mit heiserer Stimme, zerfurchtem Gesicht und einer Bibel, die an den Ecken zerfiel.
Er hatte viele Jahre im GefĂ€ngnis gesessen â nicht wegen Verbrechen, sondern wegen seines Widerstands gegen illegale Landenteignungen durch Konzerne. Heute lebte er zurĂŒckgezogen, betrieb ein kleines Gemeindezentrum, und hielt Bibelstunden fĂŒr Kinder â oft im Schatten einer alten, verbrannten Akazie.
Themba predigte nicht laut â aber eindringlich:
âWenn das Blut der Kinder im Boden schreit, wird Gott antworten.â
âWenn Geld zum Gott wird, verlieren wir unsere Menschlichkeit.â
âWenn die Erstgeborenen sterben, ist es nicht, weil Gott grausam ist â sondern weil wir ihn lange verspottet haben.â
Niemand lachte. Aber viele schwiegen.
Kapitel 3 â Der Nebel
Im April kam der Nebel. Zuerst als WetterphÀnomen, dann als Metapher.
In den Plantagen rund um Mosselbaai begannen plötzlich Kinder zu erkranken â mit HautausschlĂ€gen, Atemnot, Konzentrationsstörungen. Die örtlichen Ărzte machten Stress und Armut verantwortlich.
Doch Themba wusste mehr. Er hatte Laborberichte gesehen â geheim, anonym, brisant. Ein neuer chemischer Zusatzstoff von KuhleChem war in die Luft gelangt â versehentlich oder absichtlich, niemand wusste es. Doch das Gift schlich sich durch LĂŒftungsschĂ€chte, FlĂŒsse, Brunnen â bis es selbst in den SupermĂ€rkten ankam.
Die Regierung schwieg.
Kapitel 4 â Die Nacht
Es war die Nacht vom 16. Juni â Jugendtag in SĂŒdafrika.
In Gedenken an die SchĂŒler von Soweto, die einst gegen das Apartheid-Regime protestiert hatten.
An diesem Abend fand ein groĂes Fest im KĂŒstenpark statt. Sipho Mahlangu war dort â auf der BĂŒhne, Mikrofon in der Hand, umgeben von Gleichaltrigen, Kameras und Lobreden.
Dann â um genau Mitternacht â brach er zusammen.
Keine SchĂŒsse. Kein Unfall. Kein Mord.
Ein Atemstillstand.
Dann das Herz.
Dann Stille.
Sipho war tot.
Nur Minuten spĂ€ter kollabierten weitere Jugendliche â alle erstgeborene Söhne oder Töchter von leitenden Angestellten, Politikern, Investoren, die mit KuhleChem verbunden waren. Neun. Dann zwölf. SchlieĂlich siebzehn.
Alle medizinischen Untersuchungen liefen ins Leere. Keine klare Ursache. Keine ErklÀrung.
Kapitel 5 â Der Schrei
Am Morgen danach:
Ein Sirenengeheul, das stundenlang anhielt.
TrauerzĂŒge.
Fernseher, die nur Schwarzbild sendeten.
Und dann der Post von Pastor Themba auf den sozialen Netzwerken:
âDer Engel ging durchs Land. Wer unter dem Blut war, wurde verschont.â
(2. Mose 12,29)
Der Beitrag wurde 20 Millionen Mal geteilt.
Einige riefen nach seiner Verhaftung. Andere knieten im Dreck und weinten.
Kapitel 6 â Die Umkehr
Dumisani Mahlangu erschien am darauffolgenden Sonntag in Themba Ndolvu’s kleiner Kirche.
Nicht in Anzug. Nicht mit Bodyguards. Nur mit den Schuhen seines Sohnes in der Hand.
âIch habe geglaubt, ich könnte alles kontrollierenâ, flĂŒsterte er.
âAber ich habe das Wichtigste verloren.â
Themba antwortete nicht sofort. Dann sagte er:
âDein Sohn war nicht die Strafe. Er war das Zeichen.â
âDu hast andere Kinder geopfert â auf dem Altar des Profits. Und nun hat das System dein Kind gefordert.â
âAber es ist noch nicht zu spĂ€t. Nicht fĂŒr dich. Nicht fĂŒr das Land. Wenn du unter das Blut trittst â kannst du neu anfangen.â
Dumisani kniete nieder.
Zum ersten Mal in seinem Leben.
Kapitel 7 â Das Lamm
Ein halbes Jahr spÀter war KuhleChem zerschlagen.
Dumisani gab öffentlich alle internen Unterlagen frei.
Er verkaufte seinen Besitz, grĂŒndete einen Fonds fĂŒr Umweltsanierung â und half, neue Schulen im Umland zu bauen.
Pastor Themba begann, ĂŒber das âBlut des Lammesâ zu lehren â nicht als religiöses Symbol, sondern als realer Schutz in einer Welt, die sich selbst zerstört.
An der Wand seiner Kirche hing ein Satz, von einem Kind geschrieben:
âGott hat nicht zuerst getötet.
Er hat zuerst gewarnt.
Und dann gerettet.â
đïž Kernaussage der Geschichte:
Gott spricht auch heute â durch Katastrophen, durch verlorene Kinder, durch mutige Stimmen.
Er richtet nicht aus Wut, sondern aus Liebe.
Nicht um zu zerstören, sondern um zu retten.
Wenn moderne Systeme wie Ăgypten werden â mĂ€chtig, stolz, blind fĂŒr Gerechtigkeit â dann wird Gott nicht schweigen.
Aber bevor er richtet, schickt er immer ein Zeichen, ein Opfer, ein Lamm.
Die Frage ist:
Sind wir unter dem Blut?
Oder bauen wir noch auf Macht, Geld, Kontrolle?
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Dialogus Dei | Höre zu. Stelle Fragen. Wachse mit Gott.

