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Liebe Leserinnen und Leser,
in unserer Vorstellungskraft mag es schwer sein, sich vorzustellen, über mehrere Jahrhunderte zu leben. Methusalem, dessen Leben im Buch Genesis beschrieben wird, erlebte 969 Jahre – eine Zeitspanne, die wir uns kaum vorstellen können. Doch selbst er konnte dem Schicksal nicht entrinnen: dem Tod, dem unabwendbaren Ende eines jeden Lebens.
Stellen wir uns eine Unterhaltung zwischen Methusalem und einem Freund vor: „Wir leben – wie lange? 800, 900 Jahre, und dann sind wir Geschichte. Was sind 800 oder 900 Jahre verglichen mit der Ewigkeit?“ (1. Mose 5) Diese Klage über die scheinbare Kürze des Lebens ist zeitlos.
Hiob, ein Mann, der mit unermesslichem Leid konfrontiert war, drückte in Hiob 7,1–11 seine Sehnsucht nach Ruhe im Tod aus. Er beklagte die Schwere des Lebens, voll von Leid und Schmerz, und dennoch empfand er es als kurz und flüchtig. Ein Paradox, dem wir oft begegnen – selbst inmitten von Tragödien.
„Das Leben der Menschen gleicht der Zwangsarbeit, von früh bis spät müssen sie sich abmühen! Ein Landarbeiter sehnt sich nach dem kühlen Schatten am Abend; er wartet darauf, dass ihm sein Lohn bezahlt wird. Und was ist mein Lohn? Monate, die sinnlos dahinfliegen, und kummervolle Nächte! Wenn ich mich schlafen lege, denke ich: ›Wann kann ich endlich wieder aufstehen?‹ Die Nacht zieht sich in die Länge, ich wälze mich schlaflos hin und her bis zum Morgen. Mein Körper ist von Würmern und von dreckigem Schorf bedeckt. Meine Haut platzt auf und eitert. Schneller als ein Weberschiffchen sausen meine Tage dahin, sie schwinden ohne jede Hoffnung. O Gott, bedenke, dass mein Leben nur ein Hauch ist! Mein Glück ist dahin; es kommt nie wieder. Noch siehst du mich, doch nicht mehr lange, und wenn du mich dann suchst, bin ich nicht mehr da. Wie eine Wolke, die vorüberzieht, so ist ein Mensch, der stirbt: Vom Ort der Toten kehrt er nie zurück; dort, wo er einmal wohnte, ist er bald vergessen.1 Nein – ich kann nicht schweigen! Der Schmerz wühlt in meinem Innern. Ich lasse meinen Worten freien Lauf, ich rede aus bitterem Herzen. Hiob 7,1-11
In einem berührenden Artikel teilt eine Adventistin ihre Kämpfe mit Depressionen und Selbstmordgedanken. Ironischerweise beklagt sie, dass der lebensverlängernde adventistische Lebensstil keinen Sinn macht, wenn das Leben von Leid geprägt ist. In solchen Momenten verschwindet oft die Vernunft, und wir sind allein mit unserem Schmerz und der Furcht vor der Hoffnungslosigkeit.
Selbst Hiob, der die Verheißung der Auferstehung kannte (Hiob 19,25), konnte in der Dunkelheit des Leidens die Flüchtigkeit des Lebens nicht übersehen: „Bedenke, dass mein Leben ein Hauch ist und meine Augen nicht wieder Gutes sehen werden.“ (Hiob 7,7) Die Nähe des Todes verstärkte seine Klage über die Kürze des Lebens.
Wie können wir inmitten dieser Klagen über die Flüchtigkeit des Lebens Trost finden? Unsere Perspektive auf den Sündenfall, den Tod und die Verheißung der Auferstehung kann uns helfen, die Begrenztheit dieses irdischen Daseins zu relativieren. Indem wir die Hoffnung auf das ewige Leben in Christus festhalten, gewinnen wir Trost und Sinn, der über die scheinbare Kürze dieses Lebens hinausreicht.
Barmherziger Gott,
In unserer gemeinsamen Reflexion über die Vergänglichkeit des Lebens kommen wir vor dich, der du die Zeiten in deiner Hand hältst. Wir denken an die Klagen von Hiob und die zeitlose Frage nach der Bedeutung und Dauer unseres irdischen Daseins.
In den Momenten der Trauer und des Leidens, wenn das Leben kurz und flüchtig erscheint, bitten wir um deinen Trost. Lass uns die Perspektive des Sündenfalls, des Todes und der Verheißung der Auferstehung im Licht deiner Liebe betrachten.
Hilf uns, die Flüchtigkeit des Lebens mit Hoffnung und Gelassenheit zu umarmen. Möge die Gewissheit des ewigen Lebens in Christus unser Herz erfüllen und uns den Sinn hinter der Begrenztheit dieses irdischen Daseins erkennen lassen.
In unserer Suche nach Trost und Sinn im Weben des Lebens halten wir an der Hoffnung auf das ewige Leben fest. In Dankbarkeit für deine Liebe und Treue beten wir. Amen.

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