đž Sabbatschule kompakt
Die Wochenlektion verstehen, vertiefen und leben.
âď¸ DIE KORINTHERBRIEFE
đ Lektion 6 â Geistliche Gaben
đ
Studienwoche: 1.â7. August 2026
đď¸ Sabbat: 8. August 2026
đď¸ 3. Vierteljahr 2026: 1. und 2. Korinther
Mit der sechsten Lektion kommen wir zu einem der bekanntesten und zugleich am häufigsten missverstandenen Themen des ersten Korintherbriefes: den geistlichen Gaben. Paulus behandelt sie nicht, um eine Rangliste besonders beeindruckender Fähigkeiten aufzustellen, sondern weil gerade die Gaben, die Gott zur Erbauung seiner Gemeinde gegeben hatte, in Korinth zum Anlass fĂźr Konkurrenz, Unordnung und geistliche Ăberheblichkeit geworden waren. Deshalb bilden 1. Korinther 12â14 eine zusammenhängende Einheit: Kapitel 12 zeigt die Vielfalt der Gaben innerhalb des einen Leibes, Kapitel 13 erklärt die Liebe als unverzichtbare Grundlage ihres Gebrauchs, und Kapitel 14 fragt danach, wie die Gaben so eingesetzt werden kĂśnnen, dass sie die Gemeinde tatsächlich aufbauen. Die Studienanleitung fasst diesen Grundgedanken treffend zusammen: Gott schenkt unterschiedliche Gaben, damit gerade durch diese Verschiedenheit Einheit entsteht.
đ Merkvers
âStrebt nach der Liebe! BemĂźht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber darum, dass ihr prophetisch redet!â
1. Korinther 14,1
Paulus verbindet in einem einzigen Satz zwei Dinge, die niemals voneinander getrennt werden dßrfen: geistliche Begabung und geistliche Liebe. Es genßgt nicht, eine Gabe zu besitzen, wenn sie zur Selbstdarstellung, zur Konkurrenz oder zur Verwirrung eingesetzt wird. Ebenso bedeutet Liebe nicht, dass geistliche Gaben unwichtig wären. Die Gemeinde braucht beides: die verschiedenen Fähigkeiten, die der Heilige Geist schenkt, und die christusähnliche Liebe, die bestimmt, wie diese Fähigkeiten gebraucht werden.
Genau darin liegt der SchlĂźssel zur ganzen Lektion. Die Frage lautet nicht zuerst: âWelche Gabe ist die grĂśĂte?â, sondern: âWie kann das, was Gott mir gegeben hat, anderen dienen und Christus verherrlichen?â
đ§ Worum geht es?
Die Gemeinde in Korinth besaà offenbar eine bemerkenswerte Vielfalt geistlicher Gaben. Paulus erwähnt Weisheit, Erkenntnis, Glauben, Heilungen, Wunderkräfte, Prophetie, Unterscheidung der Geister, Sprachen und deren Auslegung. Doch ausgerechnet diese Fßlle geistlicher Fähigkeiten fßhrte nicht automatisch zu einer reifen Gemeinde. Manche Korinther scheinen bestimmte spektakuläre Gaben hÜher bewertet zu haben als andere, sodass erneut jenes Denken sichtbar wurde, das Paulus bereits in den ersten Kapiteln kritisiert hatte: Menschen verglichen sich miteinander und verbanden geistlichen Wert mit sichtbarer Bedeutung.
Paulus antwortet darauf nicht, indem er die Gaben abschafft oder ihre Bedeutung herunterspielt. Er erklärt vielmehr ihren Ursprung und ihren Zweck. Es gibt verschiedene Gaben, Dienste und Wirkungen, doch hinter ihnen steht derselbe Geist, derselbe Herr und derselbe Gott. Der Heilige Geist verteilt die Gaben nicht nach menschlichem Prestige, sondern âwie er willâ, und jede Gabe wird zum Nutzen der gesamten Gemeinschaft gegeben.
Damit wird eine entscheidende Wahrheit sichtbar: Eine geistliche Gabe ist kein persÜnlicher Besitz zur Selbstverwirklichung, sondern eine anvertraute Fähigkeit zum Dienst. Niemand kann sich etwas darauf einbilden, weil er sie nicht selbst geschaffen hat; zugleich darf niemand sich minderwertig fßhlen, weil seine Aufgabe weniger sichtbar erscheint.
đ Die Lektion auf einen Blick
Paulus beginnt seine Erklärung in 1. Korinther 12 bemerkenswerterweise nicht mit einer Liste besonderer Fähigkeiten, sondern mit dem Bekenntnis: âJesus ist Herr.â Dieses Bekenntnis selbst ist Ausdruck des Wirkens des Heiligen Geistes. In der rĂśmischen Welt war die Aussage weit mehr als eine private religiĂśse Formel. Wer Jesus als Herrn bekannte, stellte damit die hĂśchste Loyalität seines Lebens unter Christus. Erst auf dieser Grundlage kĂśnnen alle weiteren Gaben richtig verstanden werden.
AnschlieĂend betont Paulus gleichzeitig Vielfalt und Einheit. Es gibt verschiedene Gaben, aber denselben Geist; verschiedene Dienste, aber denselben Herrn; verschiedene Wirkungen, aber denselben Gott. Die Verschiedenheit ist deshalb kein Problem, das Ăźberwunden werden mĂźsste. Sie ist von Gott gewollt. Eine gesunde Gemeinde besteht nicht aus Menschen, die dasselbe kĂśnnen, dieselben Aufgaben Ăźbernehmen und dieselbe PersĂśnlichkeit besitzen. Sie gleicht vielmehr einem lebendigen Organismus, in dem sehr unterschiedliche Glieder gemeinsam funktionieren.
Das berĂźhmte Bild vom Leib Christi macht diesen Gedanken besonders anschaulich. Ein KĂśrper besteht aus Augen, Händen, FĂźĂen, Ohren und vielen weiteren Organen. Gerade weil sie verschieden sind, kĂśnnen sie miteinander einen funktionierenden KĂśrper bilden. WĂźrde der ganze KĂśrper nur aus Augen bestehen, kĂśnnte er zwar sehen, aber weder hĂśren noch gehen noch greifen. Ebenso braucht die Gemeinde Menschen mit unterschiedlichen Begabungen. Der Lehrer braucht den praktischen Helfer, der Prediger den stillen Beter, der Organisator den Seelsorger, der Musiker den Menschen, der zuhĂśren kann, und der sichtbare Dienst diejenigen, deren Arbeit vielleicht kaum jemand bemerkt.
Paulus geht sogar noch weiter und erklärt, dass gerade jene Glieder, die schwächer erscheinen, notwendig sind. Damit widerspricht er jeder geistlichen Kultur, die nur sichtbare, Ăśffentliche oder spektakuläre Aufgaben wertschätzt. Vor Gott kann ein stiller Dienst von ebenso groĂer Bedeutung sein wie eine Predigt vor Hunderten von Menschen. Die Frage ist nicht, wie viele Menschen unsere Gabe bemerken, sondern ob wir sie treu dort einsetzen, wo Gott sie gebraucht.
Aus diesem Grund darf auch niemand sagen: âIch werde nicht gebraucht.â Wenn Gott Menschen in seinen Leib beruft, schenkt er ihnen zugleich MĂśglichkeiten zu dienen. Vielleicht mĂźssen manche Gaben erst entdeckt, entwickelt oder ermutigt werden, aber niemand ist dazu berufen, lediglich Zuschauer des Gemeindelebens zu bleiben. Ebenso darf kein hochbegabter Mensch sagen: âIch brauche die anderen nicht.â Gerade das KĂśrperbild zeigt gegenseitige Abhängigkeit. Niemand besitzt alle Gaben, und niemand kann den Auftrag Gottes allein erfĂźllen.
Doch Paulus weiĂ, dass selbst diese Wahrheit noch nicht genĂźgt. Deshalb fĂźhrt er am Ende von Kapitel 12 zu einem ânoch besseren Wegâ und stellt mitten zwischen die beiden Kapitel Ăźber geistliche Gaben das berĂźhmte Kapitel Ăźber die Liebe. 1. Korinther 13 ist somit nicht zufällig an dieser Stelle eingefĂźgt und auch nicht in erster Linie als romantischer Hochzeitstext geschrieben. Es ist Gottes Antwort auf den falschen Gebrauch geistlicher Gaben.
Paulus formuliert radikal: Ein Mensch kĂśnnte auĂergewĂśhnlich reden, tiefste Erkenntnis besitzen, einen Glauben haben, der Berge versetzt, seinen gesamten Besitz verschenken und sogar grĂśĂte Opfer bringen â wenn die Liebe fehlt, verliert all das seinen geistlichen Wert. Die Studienanleitung betont deshalb, dass Liebe nicht eine weitere Gabe neben anderen ist, sondern die Weise, durch die alle Gaben Ăźberhaupt ihren gĂśttlichen Zweck erreichen.
Bemerkenswert ist auch, wie Paulus Liebe beschreibt. Er definiert sie nicht zuerst als Gefßhl, sondern durch Handlungen: Sie ist geduldig und freundlich, sie sucht nicht den eigenen Vorteil, sie prahlt nicht, sie trägt nicht nach, sie freut sich an der Wahrheit, sie trägt, glaubt, hofft und erduldet. Geistliche Reife wird damit erstaunlich praktisch. Ein hochbegabter Christ, der andere ständig verletzt, kann sich nicht auf seine Gabe berufen. Je mehr der Heilige Geist einen Menschen erfßllt, desto deutlicher sollte neben seiner Begabung auch der Charakter Christi sichtbar werden.
đ Ein Gedanke tiefer
Die Gabe gehĂśrt mir nicht â sie wurde mir anvertraut
Viele Schwierigkeiten im Umgang mit geistlichen Gaben entstehen, wenn wir beginnen, sie als Bestandteil unserer persĂśnlichen Bedeutung zu betrachten. Dann wird aus einer Gabe leicht ein Statussymbol. Ein Mensch fĂźhlt sich wertvoll, solange seine Aufgabe sichtbar ist, und bedroht, sobald jemand anderes dieselbe Arbeit vielleicht besser ausfĂźhren kann. Aus Dienst entsteht Konkurrenz.
Paulus denkt genau umgekehrt. Der Heilige Geist gibt, wie er will. Das bedeutet, dass weder die Gabe selbst noch ihr Erfolg letztlich unser Eigentum sind. Wenn Gott einem Menschen eine besondere Fähigkeit schenkt, bedeutet das nicht, dass dieser Mensch wichtiger ist als andere. Es bedeutet vielmehr, dass ihm eine besondere Verantwortung ßbertragen wurde.
Das verändert auch den Umgang mit weniger auffälligen Gaben. In einer Gemeinde kĂśnnen bestimmte Dienste leicht Ăźbersehen werden, weil sie nicht auf einer Plattform stattfinden. Doch ein Mensch, der treu betet, Kranke besucht, Jugendliche begleitet, technische Aufgaben Ăźbernimmt, anderen zuhĂśrt, Menschen willkommen heiĂt oder mit praktischer Hilfe Lasten trägt, kann ebenso durch den Heiligen Geist wirken wie jemand, der Ăśffentlich predigt.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: âWelche Gabe macht mich bedeutend?â, sondern: âWas hat Gott mir anvertraut, damit ich damit anderen dienen kann?â
Wenn diese Haltung wächst, verliert der Vergleich mit anderen seine Macht. Ich muss nicht die Gabe meines Nächsten besitzen, denn Gott hat den Leib bewusst verschieden geschaffen. Mein Auftrag besteht darin, das mir Anvertraute treu zu entwickeln und gleichzeitig die Gaben anderer dankbar anzuerkennen.
đŁď¸ Sprachenrede â Gabe oder Verwirrung?
Ein besonders wichtiger Teil der Lektion betrifft die Gabe der Sprachenrede in 1. Korinther 14. Gerade hier entstanden in Korinth offenbar erhebliche Probleme. Paulus lehnt die Gabe nicht ab, setzt ihr jedoch klare Grenzen. Alles, was im Üffentlichen Gottesdienst geschieht, muss der Erbauung der Gemeinde dienen. Wenn eine Sprache gesprochen wird, die die ZuhÜrer nicht verstehen, muss deshalb eine Auslegung vorhanden sein; andernfalls entsteht keine geistliche Auferbauung, sondern Unverständlichkeit.
Die Studienanleitung versteht die biblische Gabe der Sprachen im Zusammenhang mit Markus 16, Apostelgeschichte 2, Apostelgeschichte 10 und Apostelgeschichte 19 als die vom Heiligen Geist gegebene Fähigkeit, reale fremde Sprachen zu sprechen. Das Pfingstereignis liefert dafĂźr das deutlichste Beispiel: Menschen aus verschiedenen Ländern hĂśrten die JĂźnger in ihren eigenen Sprachen von Gottes groĂen Taten reden. In Korinth kritisiert Paulus deshalb nicht die Gabe selbst, sondern ihre ungeordnete oder Ăźberbetonte Verwendung.
Sein MaĂstab bleibt derselbe wie im ganzen Abschnitt: Versteht die Gemeinde, was gesagt wird, und wird sie dadurch aufgebaut? Geistliche Erfahrung darf nicht zum Selbstzweck werden. Selbst eine echte Gabe des Geistes muss so eingesetzt werden, dass sie anderen dient.
Paulus widerspricht damit auch der Vorstellung, jeder geistlich erfĂźllte Christ mĂźsse zwingend dieselbe Gabe besitzen. Bereits in 1. Korinther 12 fragt er rhetorisch, ob etwa alle Apostel, Propheten oder Lehrer seien und ob alle in Sprachen reden. Die erwartete Antwort lautet Nein. Die Vielfalt der Gaben gehĂśrt gerade zum Wesen des Leibes Christi.
đ Die Gabe der Prophetie
Im Vergleich zur Sprachenrede gibt Paulus der Prophetie in 1. Korinther 14 besonderes Gewicht, weil sie unmittelbar zur Erbauung, Ermahnung und zum Trost der Gemeinde beiträgt. Prophetie bedeutet dabei in der Bibel nicht ausschlieĂlich, zukĂźnftige Ereignisse vorherzusagen. Ein Prophet spricht im Auftrag Gottes und bringt eine Botschaft, die Menschen zum Glauben, zur Umkehr und zur Treue fĂźhrt.
Epheser 4 zeigt auĂerdem, dass geistliche Gaben der Gemeinde gegeben werden, damit die Gläubigen zugerĂźstet werden, der Leib Christi aufgebaut wird und die Gemeinde zur geistlichen Reife gelangt. Solange dieses Ziel noch nicht vollständig erreicht ist, besteht auch die Notwendigkeit der Gaben fort. Die adventistische Auslegung versteht deshalb die prophetische Gabe nicht als etwas, das grundsätzlich mit dem Tod der Apostel aufgehĂśrt hätte.
Gleichzeitig verlangt die Bibel, jeden prophetischen Anspruch zu prĂźfen. Die Lektion nennt dafĂźr mehrere biblische Kriterien: Eine Botschaft darf Gottes bereits offenbartem Wort nicht widersprechen, echte prophetische Aussagen mĂźssen sich erfĂźllen, das Leben des Boten muss eine Beziehung zu Christus erkennen lassen, und Jesus selbst sagt, dass wahre und falsche Propheten an ihren FrĂźchten erkannt werden.
In diesem Zusammenhang verweist die Lektion auch auf Offenbarung 12,17 und 19,10 und behandelt das adventistische Verständnis des prophetischen Dienstes von Ellen G. White. Sie wird dabei nicht als Ersatz fĂźr die Bibel verstanden. Die Heilige Schrift bleibt der MaĂstab, an dem jede weitere geistliche Botschaft geprĂźft werden muss. Die adventistische Ăberzeugung lautet vielmehr, dass die prophetische Gabe, die das Neue Testament fĂźr die Gemeinde beschreibt, auch in der Endzeit wirksam sein kann.
đ Die Bibel erklärt die Bibel
RĂśmer 12,4â8 ergänzt das Bild aus 1. Korinther 12. Auch dort beschreibt Paulus einen Leib mit vielen Gliedern und nennt unterschiedliche Gaben wie Prophetie, Dienst, Lehre, Ermutigung, Geben, Leitung und Barmherzigkeit. Auffällig ist, dass neben Ăśffentlich sichtbaren Aufgaben sehr praktische Formen des Dienstes stehen. Das bestätigt, dass Gottes Verständnis einer geistlichen Gabe viel breiter ist als unsere häufige Konzentration auf Predigt oder Ăśffentliche Leitung.
Epheser 4,11â13 zeigt anschlieĂend das gemeinsame Ziel aller Gaben. Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer existieren nicht, damit einzelne Personen besonders herausgestellt werden, sondern damit die Gläubigen zugerĂźstet und der Leib Christi aufgebaut wird. Eine geistliche Gabe erfĂźllt ihren Zweck also dann, wenn andere durch sie stärker werden.
1.Petrus 4,10 bringt diesen Gedanken besonders kompakt auf den Punkt: Jeder soll mit der Gabe, die er empfangen hat, den anderen dienen. Petrus spricht dabei von der vielfältigen Gnade Gottes. Unterschiedliche Gaben sind somit unterschiedliche Wege, auf denen dieselbe gÜttliche Gnade Menschen erreicht.
Und Apostelgeschichte 2 zeigt schlieĂlich exemplarisch, wozu die Gabe der Sprachen gegeben wurde: Das Evangelium sollte Sprachgrenzen Ăźberwinden und Menschen aus verschiedenen VĂślkern erreichen. Eine Gabe des Geistes fĂźhrt deshalb niemals nur zum Staunen Ăźber den Begabten, sondern immer weiter zu Gottes Mission.
đŹ Fragen zum Nachdenken
Wie entdecke ich meine geistlichen Gaben? Häufig geschieht das nicht durch einen einzigen auĂergewĂśhnlichen Augenblick, sondern indem wir beginnen zu dienen. Dabei kĂśnnen wir beobachten, wo Gott unseren Einsatz besonders gebraucht, was andere Menschen durch unseren Dienst als hilfreich erleben und welche Aufgaben uns mit einer tiefen geistlichen Verantwortung erfĂźllen. Auch die RĂźckmeldung reifer Christen kann helfen, Gaben zu erkennen, die wir selbst vielleicht unterschätzen.
Was geschieht, wenn eine Gemeinde nur einige wenige Gaben wertschätzt? Dann entsteht leicht eine Zuschauermentalität. Einige wenige Menschen Ăźbernehmen fast alles, während viele andere glauben, sie hätten nichts beizutragen. Paulus’ Leibbild widerspricht genau dieser Entwicklung. Eine gesunde Gemeinde hilft Menschen, ihre unterschiedlichen Gaben zu entdecken und verantwortlich einzusetzen.
Kann eine echte geistliche Gabe falsch verwendet werden? Korinth zeigt eindeutig, dass dies mĂśglich ist. Eine Gabe kann echt sein und dennoch aus Stolz, Konkurrenz oder ohne RĂźcksicht auf die Gemeinde eingesetzt werden. Deshalb genĂźgt die Existenz einer auĂergewĂśhnlichen Fähigkeit nicht als Beweis geistlicher Reife. Entscheidend sind auch Wahrheit, Ordnung, Liebe und die Frucht, die daraus entsteht.
Warum stellt Paulus die Liebe mitten zwischen seine beiden Kapitel ßber geistliche Gaben? Weil die Liebe darßber entscheidet, ob eine Gabe dem Wesen Christi entspricht. Ohne Liebe kann selbst etwas Beeindruckendes zu geistlichem Lärm werden. Mit Liebe dagegen kann sogar ein unscheinbarer Dienst enorme Bedeutung bekommen.
đą Verstehen â vertiefen â leben
Verstehen bedeutet in dieser Lektion zu erkennen, dass jeder geistliche Dienst seinen Ursprung bei Gott hat. Gaben sind keine Auszeichnungen fĂźr besonders wertvolle Christen, sondern Werkzeuge, die der Heilige Geist zum Aufbau des Leibes verteilt. Deshalb gibt es weder Grund zu geistlichem Stolz noch Grund zu MinderwertigkeitsgefĂźhlen.
Vertiefen bedeutet, die Beziehung zwischen Gabe und Charakter ernst zu nehmen. 1. Korinther 13 steht nicht zufällig zwischen Kapitel 12 und 14. Gott interessiert sich nicht nur dafĂźr, was wir tun, sondern auch dafĂźr, wie wir es tun. Eine auĂergewĂśhnliche Begabung kann niemals Geduld, Demut, Wahrheitstreue und Liebe ersetzen.
Leben bedeutet schlieĂlich, vom Zuschauer zum Mitarbeiter zu werden. Jeder Christ darf Gott fragen, wo seine Fähigkeiten gebraucht werden. Nicht jeder wird predigen, lehren oder leiten, aber jeder kann dienen. Manche Gaben werden Ăśffentlich sichtbar sein, andere fast verborgen bleiben. Vor Gott entscheidet jedoch nicht die Sichtbarkeit, sondern die Treue.
đ Ellen White zum Thema
Die Freitagslektion fßhrt einen besonders schÜnen Gedanken Ellen Whites an. Sie beschreibt, wie unterschiedlich Menschen fßr Gottes Werk begabt sein kÜnnen: Einer kann gut sprechen, ein anderer schreiben, ein anderer besitzt eine besondere Gabe des Gebets oder des Gesangs, wieder ein anderer kann Gottes Wort besonders verständlich erklären. Entscheidend ist nicht, dass alle dasselbe tun, sondern dass die unterschiedlichen Fähigkeiten unter derselben Leitung zusammenwirken.
Ellen White warnt deshalb auch davor, scheinbar kleinere Gaben geringzuschätzen. Ihr Rat lautet sinngemäĂ: Schau nicht ständig auf dich selbst und darauf, ob deine Aufgabe groĂ genug erscheint, sondern auf Christus und tue in Demut und Liebe das, was du tun kannst. Sie betont ebenso, dass Christen die Fähigkeiten und Einsichten anderer brauchen und dass die verschiedenen Gaben miteinander verbunden werden sollen, damit die Gemeinde aufgebaut wird.
Gerade dieser Gedanke passt hervorragend zum Bild des Leibes Christi. Gott sucht keine Gemeinde aus religiÜsen Einzelkämpfern, von denen jeder beweisen mÜchte, dass seine Gabe die wichtigste ist. Er schafft eine Gemeinschaft, in der unterschiedliche Menschen einander ergänzen und gemeinsam etwas verwirklichen kÜnnen, was keiner von ihnen allein erreichen kÜnnte.
⨠Der Gedanke fßr diesen Sabbat
Vielleicht besteht eine der grĂśĂten Gefahren im Umgang mit geistlichen Gaben darin, dass wir ständig auf das schauen, was wir nicht haben. Der eine wĂźnscht sich die Redegabe eines anderen, jemand anderes hätte gern dessen musikalisches Talent, Leitungsfähigkeit oder biblisches Wissen. Während wir vergleichen, kann das ungenutzt bleiben, was Gott uns selbst bereits anvertraut hat.
Paulus lädt uns zu einem vÜllig anderen Blick ein. Im Leib Christi ist nicht jeder ein Auge, aber auch nicht jeder muss ein Auge sein. Ein Fuà ist nicht weniger wertvoll, weil er nicht sehen kann, und eine Hand ist nicht unbedeutend, weil sie nicht hÜren kann. Gerade ihre Verschiedenheit macht den KÜrper lebensfähig.
Dasselbe gilt fĂźr die Gemeinde. Gott braucht nicht dreihundert Kopien desselben Menschen. Er ruft unterschiedliche PersĂśnlichkeiten, Erfahrungen, Begabungen und Lebensgeschichten zusammen und verbindet sie durch denselben Geist zu einem Leib.
Doch selbst die schĂśnste Vielfalt wäre noch nicht genug. Deshalb fĂźhrt Paulus uns schlieĂlich von den Gaben zur Liebe. Denn die grĂśĂte Frage lautet nicht, ob andere unsere Gabe bewundern, sondern ob sie durch unseren Dienst etwas von Christus erfahren.
Vielleicht wird ein Mensch niemals eine groĂe Predigt halten, aber jemandem in einem schweren Augenblick zuhĂśren. Vielleicht wird er kein theologisches Buch schreiben, aber einem Kind helfen, Jesus kennenzulernen. Vielleicht wird seine Arbeit nie Ăśffentlich gewĂźrdigt, aber durch sein treues Gebet werden Menschen getragen, von denen niemand sonst weiĂ.
Im Reich Gottes wird Bedeutung anders gemessen.
Die geistlichen Gaben zeigen nicht, wer von uns wichtiger ist. Sie zeigen, wie sehr wir einander brauchen. Wenn jeder das ihm Anvertraute in Liebe einsetzt, wird aus vielen verschiedenen Menschen ein Leib â und durch diesen Leib kann Christus sichtbar werden.
