đ ZURĂCK ZUR QUELLE DES LEBENS
Sabbatliche Gedanken fĂźr Stille, Erneuerung und Begegnung mit Gott
đż Serie 3 â Begegnungen mit Jesus
Die Evangelien erzählen nicht nur, was Jesus lehrte und welche Wunder er vollbrachte. Sie erzählen vor allem von Menschen, denen er begegnete. Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten kamen in seine Nähe: Suchende und Zweifelnde, Kranke und AusgestoĂene, Schuldige und Enttäuschte, Menschen voller Hoffnung und Menschen, die kaum noch Hoffnung besaĂen. Manche suchten Jesus bewusst, andere begegneten ihm scheinbar zufällig auf ihrem Weg. Doch immer wieder geschah dasselbe: Wo Jesus einem Menschen wirklich begegnete und dieser sich ihm Ăśffnete, konnte das Leben nicht einfach bleiben, wie es vorher gewesen war.
Jesus sah Menschen anders als ihre Umgebung. Wo andere zuerst einen blinden Bettler sahen, sah er einen Menschen, an dem Gottes Wirken sichtbar werden konnte. Wo die Menge in Zachäus nur den verachteten ZĂśllner und BetrĂźger erkannte, sah Jesus einen Menschen, dessen Herz bereits nach einem anderen Leben suchte. Wo andere einer samaritischen Frau aus dem Weg gegangen wären, setzte Jesus sich an einen Brunnen und begann mit ihr ein Gespräch, das ihren tiefsten inneren Durst offenbarte. Er kannte die Vergangenheit der Menschen, ihre Fehler, ihre verborgenen Kämpfe und ihre Sehnsucht â und gerade deshalb begegnete er ihnen mit einer Verbindung von Wahrheit und Gnade, die Herzen Ăśffnen und Leben erneuern konnte.
In dieser Serie wollen wir einige dieser Begegnungen Schritt fßr Schritt miterleben. Wir wollen nicht nur fragen, was damals geschah, sondern auch entdecken, was diese Geschichten mit unserem eigenen Leben zu tun haben. Denn hinter dem Blindgeborenen, Zachäus, der Frau am Jakobsbrunnen, Petrus, Maria Magdalena und den vielen anderen stehen Erfahrungen, die uns bis heute vertraut sind: die Sehnsucht, gesehen zu werden, der Wunsch nach einem neuen Anfang, die Angst zu versagen, der Durst nach innerer Erfßllung, die Suche nach Vergebung, die Erfahrung von Verlust und die Hoffnung, dass Gott auch aus zerbrochenen Lebensabschnitten etwas Neues entstehen lassen kann.
Dabei wird jede Begegnung eine andere Seite Jesu sichtbar machen. Wir werden ihm als dem begegnen, der stehen bleibt, wenn andere weitergehen; der den Verlorenen sucht, bevor dieser sein Leben geordnet hat; der den Durst der Seele kennt; der im Sturm nicht fernbleibt; der vergibt, ohne die Wahrheit ßber die Sßnde zu verschweigen; der nach einem Versagen nicht aufgibt und der selbst dort Hoffnung schenkt, wo Menschen nur noch ein Grab sehen. So entsteht aus vielen einzelnen Geschichten allmählich ein umfassenderes Bild dessen, wer Jesus wirklich ist.
Gerade der Beginn des Sabbats bietet einen besonderen Raum fßr diese Begegnungen. Wenn am Freitagabend die Arbeit der Woche zurßcktritt und die Geschäftigkeit langsam verstummt, dßrfen auch wir stehen bleiben. Wir mßssen fßr einen Augenblick nichts erreichen, nichts beweisen und nichts vor Gott verbergen. Der Sabbat erinnert uns daran, dass unser Leben nicht zuerst von unserem Tun getragen wird, sondern von dem Gott, der uns geschaffen hat, uns kennt und Gemeinschaft mit uns sucht. Deshalb soll in jeder Meditation besonders gefragt werden, was die jeweilige Begegnung mit Jesus fßr unseren Sabbat bedeutet: Was mÜchte Christus uns sehen lassen? Was dßrfen wir loslassen? Wo mÜchte er unser Herz heilen, unseren Glauben stärken oder unseren Blick neu auf ihn richten?
Diese Geschichten wollen deshalb nicht nur gelesen werden. Sie sind eine Einladung, selbst in die Nähe Jesu zu treten. Vielleicht werden wir uns einmal in dem Menschen wiederfinden, der Hilfe braucht, ein anderes Mal in den Jßngern, die noch lernen mßssen, mit den Augen Jesu zu sehen. Manchmal werden seine Worte trÜsten, manchmal werden sie uns herausfordern, und manchmal werden sie einen Bereich unseres Herzens berßhren, dem wir bisher ausgewichen sind. Doch immer bleibt dieselbe Hoffnung: Der Jesus der Evangelien ist derselbe Christus, der auch heute Menschen sucht, ihnen begegnet und ihr Leben erneuern mÜchte.
Jeden Freitagabend, wenn mit dem Sonnenuntergang der biblische Sabbat beginnt, lädt eine neue Meditation dazu ein, eine dieser Begegnungen mitzuerleben. MÜge die Stille des Sabbats dabei zu mehr werden als einer Unterbrechung der Woche. MÜge sie zu einem Ort werden, an dem wir Christus neu sehen, seine Stimme bewusster hÜren und erfahren, dass eine wirkliche Begegnung mit Jesus auch heute noch das Herz verändern kann.
đ ZurĂźck zur Quelle des Lebens
Sabbatliche Gedanken fĂźr Stille, Erneuerung und Begegnung mit Gott
đż Begegnungen mit Jesus
đŁ 1.Der Blindgeborene
âUnd als Jesus vorĂźberging, sah er einen Menschen, der blind geboren war.â
Johannes 9,1
đď¸ Eine Geschichte â gesehen, bevor er sehen konnte
FĂźr den Mann, von dem Johannes im neunten Kapitel seines Evangeliums berichtet, hatte es niemals einen Morgen gegeben, an dem er das Licht der aufgehenden Sonne gesehen hatte. Er kannte die StraĂen Jerusalems, aber nicht durch ihre Farben und Formen. Er kannte sie durch Geräusche, GerĂźche, Stimmen und BerĂźhrungen. Er hĂśrte die Schritte der Menschen auf den Steinen, das Rufen der Händler, das Lachen spielender Kinder und die Stimmen der Pilger, die zum Tempel hinaufzogen. Er konnte vielleicht am Klang eines Schrittes erkennen, ob jemand langsam oder hastig an ihm vorbeiging, doch er wusste nicht, wie das Gesicht eines Menschen aussah, der ihn freundlich ansah.
Er war nicht durch einen Unfall erblindet und hatte auch nicht irgendwann im Laufe seines Lebens sein Augenlicht verloren. Er war blind geboren worden. Dunkelheit war deshalb nicht die Erinnerung an etwas, das er verloren hatte, sondern die einzige Welt, die er kannte. Er wusste nicht aus eigener Erfahrung, was Farbe bedeutete, wie sich der Himmel Ăźber Jerusalem spannte oder wie das Licht am Abend auf den Mauern der Stadt lag. Selbst das Gesicht seiner Eltern hatte er niemals gesehen.
Zu seiner kÜrperlichen Blindheit kam eine zweite Last hinzu. In der damaligen religiÜsen Vorstellung wurde schweres Leid häufig unmittelbar mit persÜnlicher Schuld verbunden. Wenn ein Mensch von Geburt an blind war, suchte man deshalb nicht nur nach einer medizinischen oder natßrlichen Erklärung, sondern fragte nach einer moralischen Ursache. Irgendjemand musste gesßndigt haben. Vielleicht die Eltern, vielleicht sogar der Betroffene selbst auf eine Weise, die man zu erklären versuchte. So wurde aus seinem Leiden zugleich ein religiÜses Urteil.
Wahrscheinlich hatte der Mann solche Gespräche oft genug gehĂśrt. Menschen gingen an ihm vorbei, legten vielleicht eine MĂźnze in seine Hand und diskutierten anschlieĂend darĂźber, warum Gott ein solches Schicksal zugelassen hatte. Andere sahen in ihm kaum noch einen Menschen mit einer eigenen Geschichte, sondern ein Problem, fĂźr das sie eine Erklärung suchten. Er war der Blinde, der Bettler, der Mann am Wegesrand. Seine ganze Person schien in einem einzigen Wort zusammengefasst zu sein.
An diesem Tag kamen wieder Schritte näher. Der Mann konnte nicht wissen, dass sich unter den Vorßbergehenden Jesus von Nazareth befand. Vielleicht hatte er bereits von ihm gehÜrt. In Jerusalem wurde ßber Jesus gesprochen, ßber seine Worte, seine Heilungen und ßber den zunehmenden Konflikt zwischen ihm und den religiÜsen Fßhrern. Doch selbst wenn der Blinde diese Berichte kannte, hatte er an diesem Morgen keinen Grund anzunehmen, dass ausgerechnet sein eigenes Leben Teil einer solchen Geschichte werden wßrde.
Dann hĂśrte er die Stimme eines JĂźngers: âRabbi, wer hat gesĂźndigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?â Die Frage wurde nicht an ihn gerichtet, sondern Ăźber ihn gestellt. Wieder wurde sein Leben zum Gegenstand einer Diskussion. Doch diesmal antwortete jemand anders als alle Menschen, die er bisher gehĂśrt hatte.
Jesus sagte: âEs hat weder dieser gesĂźndigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihmâ (Johannes 9,3).
Mit dieser Antwort erklärte Jesus nicht, dass der Mann oder seine Eltern niemals gesßndigt hätten. Er wies vielmehr die Vorstellung zurßck, seine Blindheit mßsse als direkte Strafe fßr eine bestimmte persÜnliche Schuld verstanden werden. Das Leid dieses Menschen durfte nicht als Grundlage fßr ein vorschnelles Urteil ßber seine Beziehung zu Gott benutzt werden.
Zum ersten Mal stand nicht die Frage im Mittelpunkt, was hinter diesem Mann lag, sondern was Gott in seinem Leben tun wollte.
đż Jesus sieht einen Menschen
Der erste Satz dieser Geschichte enthält ein unscheinbares, aber entscheidendes Detail. Johannes schreibt nicht nur, dass Jesus an einem Blinden vorbeikam. Er sagt: âAls Jesus vorĂźberging, sah er einen Menschen.â
Darin liegt bereits ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Blick Jesu und dem Blick seiner Umgebung. Die Jßnger sahen die Blindheit und suchten nach einer Erklärung. Jesus sah den Menschen und erkannte eine MÜglichkeit fßr Gottes Wirken. Die anderen blickten zurßck und fragten nach der Ursache seines Leidens; Jesus blickte nach vorn und sah, was Gottes Gnade aus dieser Situation machen konnte.
Genau diese Art zu sehen begegnet uns immer wieder in den Evangelien. Jesus reduzierte Menschen niemals auf das, was ihnen widerfahren war oder was sie getan hatten. FĂźr ihn war Zachäus nicht einfach âder ZĂśllnerâ, Maria Magdalena nicht nur eine Frau mit einer belasteten Vergangenheit, Petrus nicht lediglich der impulsive JĂźnger und dieser Mann nicht einfach âder Blindgeboreneâ. Jesus kannte die ganze Wahrheit ihres Lebens und sah dennoch immer den Menschen, den Gott geschaffen hatte und den seine Gnade erreichen konnte.
Das ist fĂźr uns von groĂer Bedeutung, weil Menschen einander häufig anders betrachten. Wir bilden uns schnell ein Urteil aus dem, was sichtbar ist. Eine Entscheidung, ein Fehler, eine Schwäche oder ein Abschnitt der Vergangenheit kann genĂźgen, damit ein Mensch in unseren Gedanken eine feste Bezeichnung erhält. Nach einiger Zeit sehen wir nicht mehr die ganze Person, sondern nur noch das Merkmal, mit dem wir sie verbunden haben.
Manchmal geschieht dasselbe sogar mit unserem eigenen Leben. Wir betrachten uns durch die Brille unserer Vergangenheit und beginnen zu glauben, dass ein Versagen, eine Verletzung oder eine Begrenzung bestimmt, wer wir sind. Wir erinnern uns an etwas, das nicht gelungen ist, und tragen diese Erinnerung wie einen Namen mit uns herum.
Doch Jesus sieht anders. Er kennt die Vergangenheit, ohne uns auf sie festzulegen. Er kennt unsere Schwäche, ohne unseren Wert daran zu messen. Er sieht die Wunden, aber zugleich auch die Heilung, die mÜglich ist. Er sieht nicht nur den gegenwärtigen Zustand, sondern auch das, was seine Gnade im Leben eines Menschen hervorbringen kann.
Gerade deshalb beginnt diese erste Begegnung der Serie nicht mit einem groĂen Wunder, sondern mit einem Blick. Noch bevor Jesus die Augen des Mannes Ăśffnete, hatte er etwas getan, das ebenso bedeutsam war: Er hatte ihn gesehen.
đĽ Wenn religiĂśse Fragen den Menschen verdecken
Die Frage der Jßnger war nicht vÜllig bedeutungslos. Sie versuchten, das Verhältnis zwischen Sßnde und Leid zu verstehen, und die Bibel verschweigt keineswegs, dass die Sßnde Leid in die Welt gebracht hat. Das Problem lag vielmehr darin, dass aus einer theologischen Wahrheit ein vorschnelles Urteil ßber einen konkreten Menschen geworden war.
Sie wollten wissen, wer schuld war. Jesus wollte helfen.
Darin liegt eine ernste geistliche Lektion. Es ist mÜglich, ßber Gott zu sprechen und dabei den Menschen zu ßbersehen, der unmittelbar vor uns steht. Man kann richtige Begriffe verwenden, religiÜse Fragen diskutieren und sogar nach biblischen Erklärungen suchen, während das Herz dessen, der leidet, unbeachtet bleibt.
Jesus verweigerte sich dieser Haltung. Er leugnete die Wirklichkeit der SĂźnde nicht, aber er machte das Leiden dieses Mannes nicht zum Anlass fĂźr Spekulationen Ăźber seine Schuld. Stattdessen lenkte er den Blick auf Gottes Handeln. Die entscheidende Frage lautete nun nicht mehr: âWarum ist dieser Mensch so geworden?â, sondern: âWas mĂśchte Gott jetzt tun?â
Diese Verschiebung ist auch fßr unser eigenes Leben wichtig. Es gibt Situationen, deren Ursachen wir vielleicht niemals vollständig verstehen werden. Manche Fragen nach dem Warum bleiben offen, selbst wenn wir lange darßber nachdenken. Jesus verspricht uns nicht fßr jedes Leid eine sofortige Erklärung. Aber er zeigt, dass eine unbeantwortete Vergangenheit Gottes MÜglichkeiten fßr die Zukunft nicht begrenzt.
Der Blindgeborene konnte seine Vergangenheit nicht verändern. Er konnte nicht zurßckgehen und mit gesunden Augen geboren werden. Doch Jesus stand jetzt vor ihm. Und plÜtzlich war nicht mehr entscheidend, was in den Jahren zuvor unmÜglich gewesen war, sondern was in diesem Augenblick durch die Gegenwart Christi mÜglich wurde.
đ Die Blindheit der Sehenden
Je weiter Johannes 9 fortschreitet, desto deutlicher wird eine erstaunliche Umkehrung. Am Anfang der Geschichte gibt es einen Mann, der kÜrperlich blind ist, umgeben von Menschen, die sehen kÜnnen. Am Ende sieht dieser Mann nicht nur mit seinen Augen, sondern erkennt zunehmend, wer Jesus ist, während Menschen mit vollkommen funktionierenden Augen immer weniger bereit sind, die Wahrheit anzuerkennen.
Damit wird die kĂśrperliche Heilung zu einem Bild fĂźr eine tiefere geistliche Wirklichkeit. Es gibt eine Blindheit, die nicht an den Augen beginnt, sondern im Herzen. Ein Mensch kann sehen und dennoch Gottes Wirken Ăźbersehen. Er kann die Schrift kennen und trotzdem unfähig werden, das Handeln Gottes zu erkennen, wenn es nicht seinen eigenen Erwartungen entspricht. Er kann religiĂśse Ăberzeugungen besitzen und dennoch den Menschen vor sich nicht mehr mit Barmherzigkeit betrachten.
Gerade die religiĂśsen FĂźhrer werden später zum Beispiel dafĂźr. Sie werden das Wunder untersuchen, den geheilten Mann verhĂśren, seine Eltern befragen und nach GrĂźnden suchen, Jesus abzulehnen. Das AuĂergewĂśhnliche steht unmittelbar vor ihnen: Ein Mensch, der von Geburt an blind gewesen war, kann sehen. Doch statt sich darĂźber zu freuen, werden sie immer entschlossener, das Licht zurĂźckzuweisen.
Die Geschichte stellt deshalb nicht nur die Frage, ob wir kĂśrperlich sehen kĂśnnen. Sie stellt eine viel unbequemere Frage: Was geschieht, wenn Gott anders handelt, als wir es erwarten? Sind wir bereit, unser Denken von ihm korrigieren zu lassen, oder sehen wir nur das, was in unser bisheriges Bild passt?
Geistliche Blindheit beginnt oft nicht damit, dass ein Mensch Ăźberhaupt nichts Ăźber Gott weiĂ. Sie kann gerade dort entstehen, wo wir glauben, bereits alles Wesentliche zu sehen und deshalb nicht mehr bereit sind, neu hinzuschauen.
đż Jesus handelt
Nachdem Jesus die falsche Verbindung zwischen der Blindheit des Mannes und einer konkreten persĂśnlichen Schuld zurĂźckgewiesen hatte, blieb er nicht bei Worten stehen. Er spuckte auf die Erde, machte aus dem Speichel einen Brei, strich ihn auf die Augen des Mannes und sagte zu ihm: âGeh zum Teich Siloah â das heiĂt Ăźbersetzt: gesandt â und wasche dich!â (Johannes 9,6â7).
Fßr den Blinden musste diese Anweisung ungewÜhnlich geklungen haben. Er hatte Jesus noch nie gesehen und konnte auch jetzt nicht beobachten, was dieser tat. Er besaà keine sichtbare Garantie dafßr, dass sich etwas verändern wßrde. Er hatte lediglich die Worte eines Mannes gehÜrt, der anders ßber ihn gesprochen hatte als die anderen und der ihn nun aufforderte, einen bestimmten Weg zu gehen.
Johannes berichtet anschlieĂend mit bemerkenswerter Schlichtheit: âDa ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.â
Zwischen diesen beiden Sätzen liegt ein Weg des Vertrauens. Der Mann musste sich aufmachen, obwohl er noch blind war. Jeder Schritt zum Teich wurde gegangen, bevor das Ergebnis sichtbar war. Er gehorchte nicht, weil er bereits sehen konnte, sondern weil er dem Wort Jesu genßgend Vertrauen schenkte, um aufzubrechen.
Genau darin liegt ein wesentliches Element des Glaubens. Wir wßnschen uns häufig zuerst Gewissheit und mÜchten danach handeln. Wir mÜchten sehen, dass der Weg funktioniert, bevor wir ihn gehen. Doch in der Begegnung mit Christus ist die Reihenfolge oft umgekehrt. Sein Wort ruft uns zum Vertrauen, und manches wird erst auf dem Weg sichtbar.
Der Mann ging blind zum Teich.
Aber er kam sehend zurĂźck.
Damit begann der zweite und vielleicht noch tiefere Teil seiner Begegnung mit Jesus. Denn Christus wollte ihm nicht nur Augenlicht schenken. Er wollte ihn von der Dunkelheit zum Licht, vom Erleben eines Wunders zur Erkenntnis des ErlĂśsers und schlieĂlich zum persĂśnlichen Glauben fĂźhren.
Und gerade dieser Weg wird zeigen, dass man mit offenen Augen dennoch blind sein kann â und dass ein Mann, der sein ganzes Leben nichts gesehen hatte, am Ende klarer erkennen wĂźrde als viele, die sich selbst fĂźr Sehende hielten.
đď¸ Eine Geschichte â als der Sehende zum Zeugen wurde
Der Mann kehrte vom Teich Siloah zurĂźck und sah. Ein einziger Satz des Johannesevangeliums beschreibt damit etwas, das sein gesamtes bisheriges Leben auf den Kopf stellte. Zum ersten Mal konnte er die StraĂen Jerusalems nicht nur hĂśren, sondern sehen. Gesichter, Häuser, Bäume, Himmel, Licht und Schatten waren plĂśtzlich Wirklichkeit fĂźr ihn. Menschen, deren Stimmen er seit Jahren kannte, bekamen ein Gesicht. Die Welt, die er bisher nur ertastet und gehĂśrt hatte, Ăśffnete sich vor seinen Augen.
Doch erstaunlicherweise erzählt Johannes kaum etwas Ăźber die Freude dieses Augenblicks. Stattdessen fĂźhrt er uns unmittelbar zu den Reaktionen der Menschen. Die Nachbarn und diejenigen, die den Mann frĂźher als Bettler gesehen hatten, waren sich nicht einmal sicher, ob er wirklich derselbe war. Einige sagten: âEr ist esâ, andere meinten: âNein, aber er ist ihm ähnlich.â Der Geheilte musste schlieĂlich selbst erklären: âIch binâsâ (Johannes 9,9).
Damit begann eine Reihe von Befragungen, die immer deutlicher zeigte, dass dieses Wunder nicht nur die Augen eines Menschen geÜffnet hatte, sondern zugleich offenbarte, was in den Herzen der anderen vorging. Die Menschen wollten wissen, wie es geschehen war, und der Mann erzählte schlicht, was er wusste: Jesus hatte einen Brei gemacht, ihn auf seine Augen gestrichen und ihn zum Teich Siloah geschickt. Er war hingegangen, hatte sich gewaschen und konnte seitdem sehen.
Mehr konnte er zunächst nicht sagen. Auf die Frage, wo Jesus sei, antwortete er: âIch weiĂ es nicht.â Er hatte das Wunder erlebt, aber denjenigen, der es getan hatte, noch nicht wirklich kennengelernt. Gerade darin liegt etwas sehr SchĂśnes an dieser Geschichte: Seine Erkenntnis wächst Schritt fĂźr Schritt. Jesus verlangt nicht, dass er am Anfang bereits alles versteht. Der Mann beginnt mit dem, was er erfahren hat, und wird im Laufe der Ereignisse immer klarer erkennen, wer Christus ist.
đĽ Ein Wunder am Sabbat
Dann erwähnt Johannes ein Detail, das fßr den weiteren Verlauf entscheidend wird: Jesus hatte den Mann an einem Sabbat geheilt. Genau dieser Umstand verwandelte die Freude ßber das Wunder in einen religiÜsen Konflikt. Der Geheilte wurde zu den Pharisäern gebracht, und auch sie wollten wissen, wie er sehend geworden war.
Der Mann erzählte erneut, was geschehen war. Doch anstatt in seiner Heilung ein Zeichen der gĂśttlichen Macht zu erkennen, konzentrierten sich einige Pharisäer darauf, dass Jesus am Sabbat einen Brei gemacht und damit nach ihrer Auslegung gegen die Sabbatbestimmungen verstoĂen hatte. Einige sagten deshalb: âDieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält.â Andere fragten dagegen: âWie kann ein sĂźndiger Mensch solche Zeichen tun?â (Johannes 9,16).
Mitten in diesem Streit stand ein Mann, der am Morgen noch blind gewesen war und jetzt sehen konnte.
Das Wunder war unßbersehbar, doch die vorgefasste Meinung war stärker als die Freude darßber. Anstatt sich zu fragen, was Gott getan hatte, versuchten sie, das Geschehen in ihr bestehendes religiÜses Schema einzuordnen. Weil Jesus nicht so handelte, wie sie es erwarteten, geriet selbst ein offensichtliches Werk der Heilung unter Verdacht.
Hier zeigt sich die geistliche Blindheit, die Jesus später offen ansprechen wird. Es war nicht mangelnde Information, die diese Männer hinderte. Das Zeichen stand unmittelbar vor ihnen. Ihr Problem bestand darin, dass sie nicht bereit waren, ihre Vorstellung von Gott durch Gottes tatsächliches Handeln korrigieren zu lassen.
Ellen G. White hebt in ihrer Darstellung der Heilung des Blindgeborenen gerade diesen Gegensatz hervor: Christus hatte durch eine Tat der Barmherzigkeit den eigentlichen Sinn des Sabbats sichtbar gemacht, während seine Gegner den heiligen Tag durch menschliche Vorschriften so belastet hatten, dass sie in einer Heilung eher einen Regelverstoà als ein Werk Gottes sahen. Fßr Jesus stand der Sabbat niemals im Gegensatz zu Barmherzigkeit und Wiederherstellung. Gerade an diesem Tag sollte sichtbar werden, wie Gott dem Menschen begegnet.
(Vgl. Ellen G. White, Das Leben Jesu, Abschnitt Ăźber die Heilung des Blindgeborenen und die Auseinandersetzungen Jesu um den Sabbat.)
đż âEins weiĂ ichâ
Die Pharisäer fragten den Mann weiter. Sie wollten von ihm wissen, was er selbst Ăźber Jesus dachte. Seine Antwort zeigte bereits, dass seine Erkenntnis gewachsen war: âEr ist ein Prophetâ (Johannes 9,17).
Das genĂźgte ihnen nicht. Nun bezweifelten sie sogar, dass er tatsächlich blind geboren worden war, und lieĂen seine Eltern rufen. Diese bestätigten, dass er ihr Sohn und von Geburt an blind war. Doch als sie gefragt wurden, wie er nun sehen kĂśnne, wichen sie aus. Johannes erklärt, dass sie Angst vor den religiĂśsen FĂźhrern hatten, weil bereits beschlossen worden war, jeden aus der Synagoge auszuschlieĂen, der Jesus als Christus bekannte.
Der geheilte Mann stand damit zunehmend allein. Seine Eltern wollten ihn nicht verteidigen, die religiĂśsen FĂźhrer setzten ihn unter Druck, und die Tatsache seiner Heilung wurde zum Gegenstand eines Konflikts, den er selbst nicht gesucht hatte.
SchlieĂlich riefen sie ihn erneut und forderten ihn auf, Gott die Ehre zu geben, denn sie wĂźssten, dass Jesus ein SĂźnder sei.
Darauf antwortete er mit einem Satz, der zu den eindrucksvollsten persĂśnlichen Zeugnissen des Johannesevangeliums gehĂśrt:
âOb er ein SĂźnder ist, weiĂ ich nicht; eins weiĂ ich: dass ich blind war und jetzt sehe.â
(Johannes 9,25)
Er versuchte nicht, jede theologische Frage zu beantworten. Er behauptete nicht, mehr zu wissen, als er wusste. Doch eines konnte ihm niemand nehmen: seine eigene Erfahrung.
Am Morgen hatte er nicht sehen kĂśnnen.
Jetzt konnte er sehen.
Menschen konnten darßber diskutieren, wie Jesus einzuordnen sei. Sie konnten seine Autorität infrage stellen oder versuchen, das Wunder umzudeuten. Aber sie konnten die Wirklichkeit eines veränderten Lebens nicht ungeschehen machen.
Darin liegt eine bleibende Lektion fßr den Glauben. Ein Christ muss nicht auf jede Frage sofort eine Antwort besitzen. Es wird Situationen geben, in denen unser Wissen begrenzt ist und wir manches erst später verstehen. Doch wir dßrfen ehrlich von dem sprechen, was Christus in unserem Leben getan hat. Das persÜnliche Zeugnis ersetzt nicht die Wahrheit der Schrift, aber es macht sichtbar, dass diese Wahrheit ein Leben tatsächlich berßhren kann.
đ Der Preis eines klaren Bekenntnisses
Je länger das Gespräch dauerte, desto mutiger wurde der Mann. Die Pharisäer fragten erneut, was Jesus getan habe, und er bemerkte schlieĂlich die WidersprĂźchlichkeit ihrer Haltung. Sie wollten immer wieder hĂśren, wie das Wunder geschehen war, waren aber gleichzeitig entschlossen, denjenigen abzulehnen, der es vollbracht hatte.
Der ehemals Blinde begann nun selbst Fragen zu stellen. Er sagte sinngemäĂ, dass es doch erstaunlich sei: Sie behaupteten, nicht zu wissen, woher Jesus komme, obwohl dieser ihm die Augen geĂśffnet habe. Gott erhĂśre nicht den Menschen, der bewusst gegen ihn lebt, sondern den, der ihn ehrt und seinen Willen tut. Seit Menschengedenken habe man nicht gehĂśrt, dass jemand einem Blindgeborenen die Augen geĂśffnet habe. Wenn dieser Mann nicht von Gott wäre, kĂśnne er nichts tun (vgl. Johannes 9,30â33).
Der Mann, der am Anfang nur sagen konnte: âEin Mensch, der Jesus heiĂtâ, bekannte später: âEr ist ein Prophetâ, und nun verteidigte er Ăśffentlich die Ăberzeugung, dass Jesus von Gott gekommen sein mĂźsse. Während die religiĂśsen FĂźhrer trotz ihres Wissens immer weniger sehen wollten, wurde der ehemals Blinde mit jedem Schritt sehender â nicht nur kĂśrperlich, sondern geistlich.
Seine Offenheit hatte jedoch einen Preis. Die FĂźhrer beschimpften ihn und stieĂen ihn hinaus.
Der Mann hatte sein Augenlicht erhalten, aber plĂśtzlich verlor er mĂśglicherweise einen wichtigen Teil seiner gesellschaftlichen und religiĂśsen ZugehĂśrigkeit. Seine Begegnung mit Jesus hatte sein Leben nicht einfach bequemer gemacht. Das Licht, das er empfangen hatte, fĂźhrte ihn auch in eine Entscheidung.
Doch gerade dort, wo Menschen ihn hinauswarfen, beginnt einer der bewegendsten Abschnitte der ganzen Geschichte.
â¤ď¸ Jesus sucht ihn ein zweites Mal
Johannes schreibt:
âJesus hĂśrte, dass sie ihn ausgestoĂen hatten. Und als er ihn fand, fragte er: Glaubst du an den Menschensohn?â
(Johannes 9,35)
Diese wenigen Worte verdienen Aufmerksamkeit: Jesus fand ihn.
Am Anfang der Geschichte hatte Jesus den Blinden gesehen, obwohl dieser ihn nicht sehen konnte. Nun, nachdem der Mann wegen seines Zeugnisses ausgestoĂen worden war, suchte Jesus ihn erneut.
Christus hatte ihm nicht nur das Augenlicht gegeben und ihn danach sich selbst Ăźberlassen. Er wusste, was die Heilung ausgelĂśst hatte. Er wusste von der Befragung, dem Druck und der Ablehnung. Und er kam wieder zu ihm.
Der Mann fragte: âWer ist es, Herr, damit ich an ihn glaube?â Jesus antwortete: âDu hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist esâ (Johannes 9,36â37).
Wie tief mĂźssen diese Worte fĂźr einen Menschen geklungen haben, der sein ganzes Leben blind gewesen war:
âDu hast ihn gesehen.â
Das Gesicht Jesu gehĂśrte nun zu den Gesichtern, die dieser Mann sehen konnte. Doch Christus fĂźhrte ihn noch weiter. Es ging nicht nur darum, Jesus mit den Augen wahrzunehmen. Er sollte erkennen, wer vor ihm stand.
Darauf antwortete der Mann:
âHerr, ich glaube.â
Und er betete ihn an.
Damit ist die Heilung vollendet. Nicht am Teich Siloah, sondern hier.
Am Teich wurden seine Augen geĂśffnet.
Jetzt wurde sein Herz geĂśffnet.
Das grĂśĂte Geschenk dieser Geschichte war nicht, dass ein Blinder die Welt sehen konnte. Das grĂśĂte Geschenk war, dass ein Mensch Christus erkannte.
đž Der Sabbat â ein Tag, an dem Christus uns neu sehen lehrt
Dass Jesus den Blindgeborenen gerade am Sabbat heilte, gehÜrt nicht zu den nebensächlichen Details dieser Geschichte. Der Konflikt, der danach entstand, zeigt vielmehr, wie unterschiedlich der Sabbat verstanden werden kann. Fßr die Gegner Jesu war er zunehmend zu einem System geworden, das durch zahlreiche menschliche Bestimmungen geschßtzt werden musste. Fßr Jesus war der Sabbat weiterhin das, wozu Gott ihn geschaffen hatte: ein heiliger Raum der Gemeinschaft mit Gott, der Befreiung, der Barmherzigkeit und der Wiederherstellung des Menschen.
Der geheilte Mann wurde an diesem Sabbat zum lebendigen Zeugnis dafĂźr, dass Gottes Ruhe nicht GleichgĂźltigkeit gegenĂźber menschlichem Leid bedeutet. Gott ruht nicht von seiner Liebe. Der SchĂśpfer, der am Anfang Licht in die Dunkelheit sprach, begegnete an diesem Sabbat einem Menschen, der niemals Licht gesehen hatte, und Ăśffnete seine Augen. Die Heilung passte deshalb nicht weniger zum Sabbat, sondern offenbarte etwas von seinem tiefsten Sinn.
Auch fßr uns kann der Sabbat zu einem Tag werden, an dem Christus unsere Augen neu Üffnet. Während der Woche sehen wir vieles nur im Vorßbergehen. Aufgaben, Termine, Nachrichten, Sorgen und Verpflichtungen beanspruchen unsere Aufmerksamkeit. Wir funktionieren, reagieren und planen, und manchmal merken wir kaum, wie eng unser Blick dabei geworden ist. Wir sehen vor allem das, was dringend ist, und verlieren das aus den Augen, was wirklich wichtig ist.
Dann kommt der Sabbat und unterbricht diesen Rhythmus. Gott schenkt uns Zeit, in der wir nicht ständig produzieren, erreichen oder beweisen mßssen. Diese Ruhe schafft Raum fßr eine andere Art des Sehens. Wir kÜnnen zurßckblicken und entdecken, wo Gott uns während der vergangenen Woche getragen hat. Wir kÜnnen Menschen wieder bewusster wahrnehmen, die im Alltag leicht zu einer Selbstverständlichkeit geworden sind. Wir kÜnnen in der Schrift lesen, ohne bereits an die nächste Aufgabe denken zu mßssen, und wir kÜnnen Gott erlauben, auch unsere eigenen blinden Flecken sichtbar zu machen.
Vielleicht sind wir manchmal wie die Jßnger am Anfang der Geschichte. Wir sehen einen Menschen, aber unsere Gedanken beschäftigen sich zuerst mit Erklärungen und Urteilen. Der Sabbat kann uns lehren, langsamer hinzusehen und zu fragen: Wie sieht Jesus diesen Menschen? Vielleicht sitzt jemand in unserer Nähe, dessen Kampf wir nicht kennen. Vielleicht haben wir jemanden längst auf einen Fehler, eine Eigenart oder eine Vergangenheit reduziert. Christus mÜchte unseren Blick korrigieren, damit wir nicht nur Probleme, sondern Menschen sehen.
Vielleicht gleichen wir an anderen Sabbaten eher den religiĂśsen FĂźhrern. Wir kennen die Bedeutung des Sabbats, achten auf seine Heiligkeit und wollen Gott treu sein â und gerade deshalb mĂźssen wir uns von dieser Geschichte fragen lassen, ob unser Sabbatverständnis auch das Herz Jesu widerspiegelt. Ein Sabbat, der uns zwar von Arbeit trennt, aber nicht barmherziger macht, hat sein Ziel noch nicht vollständig erreicht. Wenn wir nach dem Sabbat dieselben Menschen genauso hart beurteilen wie vorher, dieselbe Not Ăźbersehen und dieselbe Selbstgerechtigkeit mit uns tragen, brauchen auch unsere geistlichen Augen Heilung.
Jesus zeigt in Johannes 9, dass Sabbatheiligung und Barmherzigkeit keine Gegensätze sind. Gerade weil der Sabbat Gott gehÜrt, gehÜrt er auch zu den besonderen Zeiten, in denen Gottes heilendes Wesen sichtbar werden soll. Er gibt Raum fßr den Besuch bei einem Einsamen, fßr ein versÜhnendes Gespräch, fßr aufmerksames ZuhÜren, fßr gemeinsames Gebet, fßr Trost und fßr die einfache Bereitschaft, einen Menschen wirklich wahrzunehmen.
Vielleicht sind wir aber auch selbst der Blindgeborene. Dann lautet die Botschaft dieses Sabbats nicht zuerst, dass wir besser sehen sollen, sondern dass wir gesehen werden. Noch bevor wir Gott vollständig erkennen, hat er uns erkannt. Noch bevor wir Worte fßr unsere Not finden, kennt Christus sie. Noch bevor wir wissen, welchen nächsten Schritt wir gehen sollen, ist sein Blick bereits auf uns gerichtet.
Der Blindgeborene musste nicht zuerst sehen kĂśnnen, um von Jesus gesehen zu werden.
Das gilt auch fĂźr uns.
Wir dĂźrfen deshalb am Sabbat vor Christus still werden und beten: âHerr, zeige mir, was ich nicht sehe.â Vielleicht wird er nicht jede Frage beantworten. Vielleicht verändert sich nicht sofort jede schwierige Situation. Doch er kann unseren Blick verändern. Und manchmal ist genau das der Anfang einer viel tieferen Veränderung.
Der Sabbat lädt uns Woche fĂźr Woche aus der Dunkelheit unserer eigenen begrenzten Sicht in das Licht der Gegenwart Gottes. Er erinnert uns an den SchĂśpfer, der Licht schaffen kann, wo vorher Dunkelheit war, und an Christus, der nicht an uns vorbeigeht. So kann jeder Sabbat zu einer kleinen Wiederholung dieser Begegnung werden: Jesus sieht uns, spricht zu uns, fĂźhrt uns â und Ăśffnet Schritt fĂźr Schritt unsere Augen.
𤲠Einladung
Nimm dir an diesem Sabbat bewusst Zeit, Christus eine einfache Frage zu stellen: âHerr, was sehe ich noch nicht?â Vielleicht mĂśchtest du sein Wirken in deinem eigenen Leben neu erkennen, vielleicht einen Menschen mit anderen Augen betrachten oder eine Haltung loslassen, die deinen Blick eng gemacht hat.
Bitte ihn nicht nur darum, dass sich die Dinge um dich herum verändern. Bitte ihn darum, dass er auch deine Sicht verändert. Der Mann aus Johannes 9 kam sehend vom Teich zurĂźck, doch seine tiefste Erkenntnis wuchs erst auf dem weiteren Weg. Auch mit uns kann Christus geduldig Schritt fĂźr Schritt gehen, bis aus einem ersten Erkennen ein persĂśnliches Bekenntnis wird: âHerr, ich glaube.â
⨠Gebet
Herr Jesus, Du bist an dem blinden Mann nicht vorĂźbergegangen, sondern hast ihn gesehen, bevor er Dich sehen konnte. Auch mich kennst Du vollständig. Du siehst, was mich beschäftigt, was ich nicht verstehe und was meinen Blick manchmal verdunkelt. Deshalb bitte ich Dich an diesem Sabbat: Ăffne meine Augen fĂźr Deine Gegenwart und lehre mich, mein Leben und die Menschen um mich herum mit Deinem Blick zu betrachten.
Bewahre mich davor, vorschnell zu urteilen, wo Du barmherzig handeln mÜchtest. Zeige mir meine geistlichen blinden Flecken und schenke mir ein Herz, das bereit ist, von Dir korrigiert zu werden. Lass den Sabbat fßr mich nicht nur eine Unterbrechung der Arbeit sein, sondern eine wirkliche Begegnung mit Dir, in der mein Denken stiller, mein Blick klarer und mein Herz empfänglicher fßr Deine Stimme wird.
Und wenn ich nicht verstehe, welchen Weg Du mit mir gehst, schenke mir das Vertrauen des Mannes, der sich auf Dein Wort hin aufmachte, obwohl er noch nichts sehen konnte. FĂźhre mich Schritt fĂźr Schritt aus meiner begrenzten Sicht in Dein Licht, bis auch mein Herz Dich immer klarer erkennt und aus tiefster Ăberzeugung sagen kann: Herr, ich glaube.
Amen.
