đ WENN DIE WELT IHREM ENDE ENTGEGENGEHT
đŻď¸ Hoffnung, Wachsamkeit und Treue in Matthäus 24â25
đ Teil 1 â Predigt 2
âł Wenn die Tage verkĂźrzt werden â Bewahrt in der groĂen TrĂźbsal
đĄď¸ Gott setzt der Bedrängnis eine Grenze und bewahrt sein Volk
đ Haupttext
âDenn dann wird groĂe TrĂźbsal sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird. Und wenn jene Tage nicht verkĂźrzt wĂźrden, so wĂźrde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkĂźrzt.â
Matthäus 24,21â22
đĄď¸ Leitvers
âGott ist treu, der euch nicht versuchen lassen wird Ăźber euer VermĂśgen, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, sodass ihr sie ertragen kĂśnnt.â
1. Korinther 10,13
đŚ Predigtgedanke
Gott hat seinem Volk niemals versprochen, dass es jede Bedrängnis vermeiden werde. Er hat jedoch verheiĂen, der Macht des BĂśsen eine Grenze zu setzen, seine Kinder in der PrĂźfung nicht zu verlassen und sie durch eine Glaubensbeziehung zu Christus zu bewahren. Die VerkĂźrzung der Tage zeigt deshalb nicht die Schwäche Gottes, sondern seine barmherzige und souveräne Herrschaft Ăźber eine Krise, die ohne sein Eingreifen alles Leben vernichten wĂźrde.
đ BegrĂźĂung und EinfĂźhrung
Liebe Gemeinde, wenn wir die Worte Jesu Ăźber die groĂe TrĂźbsal lesen, kĂśnnen leicht Bilder von Verfolgung, Krieg, Hunger, Katastrophen und einer zerfallenden Welt vor unserem inneren Auge erscheinen. Manche Menschen reagieren auf solche Texte mit Angst, andere versuchen, sie mĂśglichst schnell zu Ăźbergehen, und wieder andere beschäftigen sich so sehr mit den Einzelheiten der kommenden Krise, dass Christus selbst aus dem Mittelpunkt ihrer Betrachtung verschwindet. Jesus gab uns Matthäus 24 jedoch weder, um unsere Fantasie mit erschreckenden Bildern zu fĂźllen, noch um uns zu spekulativen Berechnungen zu verleiten. Er wollte seine JĂźnger darauf vorbereiten, ihm auch dann zu vertrauen, wenn menschlich betrachtet alles auĂer Kontrolle zu geraten scheint.
Die entscheidenden Worte unseres Haupttextes lauten deshalb nicht nur: âDann wird groĂe TrĂźbsal sein.â Jesus fĂźgt sofort hinzu: âUm der Auserwählten willen werden jene Tage verkĂźrzt.â Bereits in der Warnung liegt eine VerheiĂung. Die Bedrängnis ist real, aber sie ist nicht unbegrenzt. Die Macht des BĂśsen ist erschreckend, aber sie ist nicht souverän. Satan kann bedrängen, verfĂźhren, verfolgen und zerstĂśren, doch er kann die Grenzen nicht Ăźberschreiten, die Gott ihm setzt. Ăber der gesamten Geschichte, auch Ăźber ihren dunkelsten Stunden, steht die Hand dessen, der Anfang und Ende kennt und der sein Volk nicht eine einzige Stunde länger in der PrĂźfung lässt, als es seinem ewigen ErlĂśsungsplan entspricht.
Diese Wahrheit mĂźssen wir verstehen, bevor wir Ăźber die Einzelheiten der groĂen TrĂźbsal sprechen. Wenn wir nur auf die Krise schauen, werden wir Angst bekommen. Wenn wir aber auf Christus schauen, erkennen wir, dass die Krise von allen Seiten durch seine Gegenwart und seine Herrschaft begrenzt ist. Jesus sagt nicht, dass seine Nachfolger niemals leiden werden. Er sagt, dass ihr Leiden nicht sinnlos, nicht endlos und nicht auĂerhalb der Reichweite seiner bewahrenden Hand sein wird.
đŻď¸ Erzählerische Illustration: Die Nacht vor der Flucht
Die folgende Geschichte ist eine erzählerische Rekonstruktion vor dem Hintergrund der Ereignisse, die der ZerstÜrung Jerusalems vorausgingen.
Die Sonne war bereits hinter den HĂźgeln verschwunden, doch in Jerusalem brannten ungewĂśhnlich viele Lampen. Von den Mauern her drangen Rufe durch die engen StraĂen, und immer wieder liefen Männer an den Häusern vorbei, die Waffen, WasserkrĂźge oder Säcke mit Getreide trugen. Seit die rĂśmischen Truppen vor der Stadt erschienen waren, hatte sich das Leben verändert. Niemand wusste, was der nächste Tag bringen wĂźrde. GerĂźchte verbreiteten sich schneller als verlässliche Nachrichten, und jede neue Stimme auf der StraĂe schien eine andere Zukunft vorherzusagen.
Im oberen Raum eines kleinen Hauses saĂ eine Familie um einen niedrigen Tisch. Matthias, der Vater, hatte die TĂźr sorgfältig verschlossen und die Lampe so weit heruntergedreht, dass ihr Licht von auĂen kaum zu erkennen war. Seine Frau Hanna hielt den jĂźngsten Sohn im Arm, während ihre zwĂślfjährige Tochter Mirjam neben einem ReisebĂźndel kniete. Darin lagen einige KleidungsstĂźcke, ein Wasserbeutel, getrocknete Feigen und mehrere kleine Brote.
âWerden wir wirklich heute Nacht fortgehen?â, fragte Mirjam leise.
Matthias antwortete nicht sofort. Seit Tagen hatte er mit anderen Nachfolgern Jesu Ăźber dessen Warnung gesprochen. Viele Jahre waren vergangen, seit der Herr seinen JĂźngern auf dem Ălberg angekĂźndigt hatte, dass Jerusalem von Heeren umzingelt werden wĂźrde. Christus hatte ihnen gesagt, sie sollten fliehen, sobald sie das angekĂźndigte Zeichen erkannten. Nun war das rĂśmische Heer tatsächlich gekommen. Doch dann war etwas geschehen, das niemand erwartet hatte: Die Truppen hatten sich plĂśtzlich zurĂźckgezogen.
In der Stadt feierten viele Menschen diesen RĂźckzug bereits als Sieg. Bewaffnete Gruppen waren den RĂśmern nachgeeilt, und auf den StraĂen wurde verkĂźndet, Gott habe Jerusalem auf wunderbare Weise befreit. Einige Männer lachten Ăźber die Christen, die ihre Häuser verlassen wollten. Wer jetzt fliehe, so sagten sie, beweise nur, dass er weder Mut noch Vertrauen zu Gott besitze.
âVielleicht haben die anderen rechtâ, sagte Hanna mit zitternder Stimme. âDie RĂśmer sind fort. Vielleicht ist die Gefahr tatsächlich vorĂźber.â
Matthias sah auf das kleine Bßndel vor seiner Tochter. Dieses Haus hatte seinem Vater gehÜrt, und auch er selbst war darin geboren worden. In der Werkstatt hinter dem Innenhof standen seine Werkzeuge. Auf dem Dach lagen die Balken, die er erst im vergangenen Jahr erneuert hatte. In einem kleinen Gefäà unter dem Boden befanden sich die Ersparnisse der Familie. Wenn sie jetzt gingen, wussten sie nicht, ob sie jemals zurßckkehren wßrden.
âIch habe denselben Gedanken gehabtâ, gestand er. âMeine Augen sehen ein Heer, das sich entfernt. Aber in meinem Herzen hĂśre ich die Worte Jesu.â
Er nahm die kleine Schriftrolle, die auf dem Tisch lag, und erinnerte seine Familie an das, was die ersten JĂźnger weitergegeben hatten:
âWenn ihr aber Jerusalem von Heerscharen umzingelt seht, dann erkennt, dass seine VerwĂźstung nahe gekommen ist! Dann sollen die in Judäa auf die Berge fliehen.â
Lukas 21,20â21
Mirjam blickte ihren Vater aufmerksam an. âAber warum mĂźssen wir fliehen, wenn die Soldaten schon fort sind?â
âWeil Jesus nicht gesagt hat, dass wir warten sollen, bis wir alles verstehenâ, antwortete Matthias. âEr hat uns ein Zeichen gegeben und uns gesagt, was wir tun sollen, wenn dieses Zeichen erscheint. Wir mĂźssen entscheiden, ob wir seinem Wort mehr vertrauen als dem, was im Augenblick sicher aussieht.â
In diesem Moment klopfte es dreimal leise an der TĂźr. Matthias erschrak, lĂśschte die Lampe und wartete. Dann hĂśrte er die vertraute Stimme seines Freundes Simeon.
âWir brechen aufâ, flĂźsterte dieser, nachdem er eingetreten war. âDie StraĂe nach Norden ist noch frei. Einige Familien warten bereits auĂerhalb der Stadt.â
Hanna drĂźckte das Kind fester an sich. âWie lange wird die Flucht dauern?â
Simeon schĂźttelte den Kopf. âDas weiĂ niemand.â
âUnd wo werden wir wohnen?â
âAuch das wissen wir noch nicht.â
âWerden wir genug zu essen haben?â
Wieder konnte Simeon keine sichere Antwort geben. Er schaute zu Matthias und sagte: âWir wissen nicht, wie der ganze Weg aussehen wird. Wir wissen nur, dass der Herr uns gesagt hat, wann wir aufbrechen mĂźssen.â
Die Familie verlieĂ das Haus kurz vor Mitternacht. Sie nahmen nur das mit, was sie tragen konnten. Matthias verschloss die TĂźr, obwohl er wusste, dass ein Schloss die kommenden Ereignisse nicht aufhalten konnte. Mirjam blieb noch einmal stehen und sah zu dem kleinen Fenster ihres Zimmers hinauf.
âWann kommen wir zurĂźck?â, fragte sie.
Ihr Vater legte seine Hand auf ihre Schulter. âVielleicht werden wir nicht zurĂźckkehren. Aber Jesus wird mit uns gehen.â
Sie bewegten sich leise durch die StraĂen und schlossen sich auĂerhalb der Stadt einer Gruppe gläubiger Familien an. Alte Menschen wurden gestĂźtzt, Kinder getragen und die wenigen Vorräte untereinander verteilt. Niemand wusste, ob hinter dem nächsten HĂźgel Soldaten, Räuber oder verschlossene Wege auf sie warteten. Dennoch gingen sie weiter, weil sie sich an die Worte Christi erinnerten.
Nach mehreren Stunden begann der jĂźngste Sohn zu weinen. Hanna war erschĂśpft, Mirjams FĂźĂe schmerzten, und auch Matthias fragte sich, ob er seine Familie in eine Gefahr gefĂźhrt hatte, die sie hätten vermeiden kĂśnnen. Hinter ihnen war Jerusalem noch immer zu sehen. Die Stadt lag ruhig im frĂźhen Morgenlicht, und nichts deutete darauf hin, dass ihre letzten Tage bereits begonnen hatten.
Am Rand eines Olivenhains machten sie eine kurze Pause. Mirjam setzte sich auf einen Stein und fragte: âVater, wie lange wird diese schwere Zeit dauern?â
Matthias blickte auf die mĂźden Gesichter der Menschen, die alles zurĂźckgelassen hatten, weil sie dem Wort Jesu glaubten. Er kannte die Antwort nicht. Er konnte seiner Tochter keinen Termin nennen und ihr keinen leichten Weg versprechen. Doch er erinnerte sich an einen Satz, den die JĂźnger aus der Rede Jesu bewahrt hatten.
âDer Herr hat gesagt, dass die Tage der Bedrängnis begrenzt werdenâ, antwortete er. âWir wissen nicht, wie lange sie uns erscheinen werden. Aber wir wissen, dass sie nicht länger dauern kĂśnnen, als Gott es zulässt.â
âWoher weiĂt du das?â
âWeil Jesus uns nicht nur gewarnt hat. Er hat uns auch gezeigt, dass er schon vor uns in die Zukunft geblickt hat. Bevor wir die Gefahr sahen, kannte er sie bereits. Bevor wir wussten, dass wir fliehen mĂźssten, hatte er einen Weg bereitet. Und bevor die Bedrängnis beginnt, kennt er schon die Stunde, in der sie enden wird.â
Mirjam sah zurĂźck auf die Stadt. Ihre Mauern erschienen im Morgenlicht noch immer stark und sicher. Der Weg vor ihr dagegen war unbekannt. Dennoch stand sie auf, nahm ihr kleines BĂźndel und ging mit den anderen weiter.
Viele Jahre später sollte sie verstehen, wie barmherzig jene kurze Gelegenheit gewesen war. Die RÜmer kehrten zurßck, Jerusalem wurde erneut eingeschlossen, und die Stadt erlebte eine Not, deren Schrecken kaum in Worte zu fassen war. Der unerwartete Rßckzug des Heeres hatte den Nachfolgern Jesu jedoch ein Zeitfenster zur Flucht erÜffnet. Die Gefahr war nicht verschwunden, aber Gott hatte ihrer Macht eine Grenze gesetzt und seinem Volk einen Weg bereitet.
Mirjam vergaà nie, was ihr Vater an jenem Morgen gesagt hatte: Bevor die Bedrängnis beginnt, kennt Gott bereits die Stunde, in der sie enden wird.
1. đ Jesus verbirgt die kommende Bedrängnis nicht
Die Geschichte fĂźhrt uns zu den Worten Jesu auf dem Ălberg. Seine JĂźnger hatten ihn nach der ZerstĂśrung des Tempels, dem Zeichen seiner Wiederkunft und der Vollendung des Zeitalters gefragt. In seiner Antwort beschĂśnigte Jesus die Zukunft nicht. Er sprach von falschen Christussen, Kriegen, HungersnĂśten, Erdbeben, Verfolgung und religiĂśser VerfĂźhrung. Dabei wollte er seine JĂźnger jedoch nicht lähmen, sondern vorbereiten.
Jesus sagte:
âDann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch tĂśten; und ihr werdet gehasst werden von allen Nationen um meines Namens willen. Und dann werden viele zu Fall kommen und werden einander Ăźberliefern und einander hassen; und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verfĂźhren; und weil die Gesetzlosigkeit Ăźberhandnimmt, wird die Liebe der meisten erkalten.â
Matthäus 24,9â12
Diese Worte zeigen, dass die Krise nicht nur aus äuĂerem Druck bestehen wird. Verfolgung von auĂen verbindet sich mit VerfĂźhrung, Verrat, Hass und erkaltender Liebe im Inneren. Gerade darin liegt eine der grĂśĂten Gefahren der TrĂźbsal. Menschen kĂśnnen schwere äuĂere Umstände Ăźberstehen und dennoch geistlich zugrunde gehen, wenn ihr Vertrauen zerbricht, ihre Liebe erkaltet oder sie sich von der Wahrheit abwenden.
Deshalb fĂźgt Jesus hinzu:
âWer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.â
Matthäus 24,13
Ausharren bedeutet hier nicht, sich durch menschliche Willenskraft selbst zu retten. Es bezeichnet das Bleiben bei Christus, wenn der Druck zunimmt. Der Glaube hält nicht deshalb stand, weil der Mensch von Natur aus stark wäre, sondern weil er sich an einen starken ErlĂśser klammert. Jesus richtet unsere Aufmerksamkeit daher nicht zuerst auf die GrĂśĂe der Bedrängnis, sondern auf die Notwendigkeit einer Beziehung zu ihm, die auch unter Druck bestehen bleibt.
Wer sich nur mit den Ereignissen beschäftigt, kann trotz aller prophetischen Kenntnisse unvorbereitet sein. Wer dagegen Christus kennt, seinem Wort vertraut und täglich in seiner Gnade lebt, besitzt die einzige Vorbereitung, die in der letzten Krise wirklich trägt. Prophetische Erkenntnis soll uns nicht nur informieren, sondern enger mit Jesus verbinden.
2. âł Was bedeutet es, dass die Tage verkĂźrzt werden?
Jesus sagt, dass kein Mensch gerettet wĂźrde, wenn jene Tage nicht verkĂźrzt wĂźrden. Damit beschreibt er die zerstĂśrerische Dynamik des BĂśsen. SĂźnde trägt keine natĂźrliche Begrenzung in sich. Wo sie nicht aufgehalten wird, breitet sie sich aus, verhärtet die Herzen, zerstĂśrt Beziehungen, missbraucht Macht und bedroht schlieĂlich das Leben selbst. Die Geschichte Jerusalems zeigt erschĂźtternd, wohin Menschen gelangen kĂśnnen, wenn Hass, Fanatismus, Machtkampf und Verblendung die Herrschaft Ăźbernehmen.
Doch Jesus erklärt, dass Gott eingreift. Die Verkßrzung der Tage bedeutet zunächst, dass er der Bedrängnis eine zeitliche Grenze setzt. Das BÜse darf nicht unendlich handeln. Es besitzt keinen freien Zugang zur Geschichte, sondern bewegt sich innerhalb der Grenzen gÜttlicher Zulassung. Diese Wahrheit begegnet uns bereits im Buch Hiob. Satan wollte Hiob vollständig zerstÜren, doch Gott sagte:
âSiehe, alles, was er hat, ist in deiner Hand. Nur gegen ihn selbst strecke deine Hand nicht aus!â
Hiob 1,12
Später wurde Satan ein weiterer Handlungsspielraum gestattet, aber erneut setzte Gott eine klare Grenze:
âSiehe, er ist in deiner Hand. Nur schone sein Leben!â
Hiob 2,6
Hiob wusste nicht, was im Himmel geschehen war. Er sah nur den Verlust seines Besitzes, seiner Kinder und seiner Gesundheit. Was er nicht sehen konnte, war die Grenze, die Gott dem Feind gesetzt hatte. Satan durfte bedrängen, aber er durfte nicht alles tun. Auch wenn Hiob sich verlassen fßhlte, war sein Leben weiterhin von der unsichtbaren Herrschaft Gottes umgeben.
Dieselbe Wahrheit gilt fĂźr die groĂe TrĂźbsal. Die Ereignisse kĂśnnen so aussehen, als habe das BĂśse vollständig die Kontrolle Ăźbernommen. Dennoch bleibt Gott Herr Ăźber Anfang, Umfang und Ende der Krise. Jesus sagt nicht: âVielleicht werden die Tage verkĂźrzt.â Er sagt: âSie werden verkĂźrzt.â Die Grenze ist nicht von der Barmherzigkeit menschlicher Machthaber abhängig, sondern von der Entscheidung Gottes.
Paulus bringt dieses Prinzip auf die persĂśnliche Ebene:
âKeine Versuchung hat euch ergriffen als nur eine menschliche; Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, dass ihr Ăźber euer VermĂśgen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, sodass ihr sie ertragen kĂśnnt.â
1. Korinther 10,13
Dieser Text verspricht nicht, dass Gott jede PrĂźfung sofort entfernt. Manchmal schafft er einen Ausgang aus der PrĂźfung, manchmal einen Weg durch die PrĂźfung. Immer aber bleibt seine Treue grĂśĂer als die Macht dessen, was uns bedrängt.
3. đď¸ Jerusalem: Die erste ErfĂźllung der Warnung
Die Worte Jesu bezogen sich zunächst auf die ZerstÜrung Jerusalems. Er warnte seine Jßnger vor einer kommenden Belagerung und gab ihnen ein erkennbares Zeichen:
âWenn ihr aber Jerusalem von Heerscharen umzingelt seht, dann erkennt, dass seine VerwĂźstung nahe gekommen ist! Dann sollen die in Judäa auf die Berge fliehen.â
Lukas 21,20â21
Im Jahr 66 n. Chr. umzingelten rĂśmische Truppen unter Cestius Gallus die Stadt. Obwohl ein weiterer Vormarsch mĂśglich erschien, zogen sie sich unerwartet zurĂźck. Dadurch entstand eine begrenzte Gelegenheit zur Flucht. Die Christen erinnerten sich an die Worte Jesu und verlieĂen Jerusalem, bevor die endgĂźltige Belagerung begann. Als die RĂśmer später zurĂźckkehrten, wurde die Stadt eingeschlossen, und im Jahr 70 n. Chr. folgte ihre ZerstĂśrung.
Das Entscheidende war nicht, dass die Gläubigen alle militärischen Entwicklungen verstanden hätten. Sie wurden bewahrt, weil sie auf die Warnung Christi hÜrten und handelten. Gott Üffnete ein Zeitfenster, aber sie mussten es im Glauben nutzen. Hätten sie gewartet, bis alle Einzelheiten eindeutig gewesen wären, wäre es zu spät gewesen.
Hier liegt eine wichtige Lektion fßr uns. Gottes Bewahrung hebt unsere Verantwortung nicht auf. Wenn Christus spricht, sollen wir nicht endlos warten, bis sein Wort durch sichtbare Umstände bestätigt wird. Glaube bedeutet, dem Herrn zu gehorchen, auch wenn der Weg noch nicht vollständig vor uns liegt.
Noah baute die Arche, bevor Regen fiel. Abraham verlieĂ seine Heimat, ohne das Ziel seiner Reise zu sehen. Mose fĂźhrte Israel zum Roten Meer, bevor sich das Wasser teilte. Die Christen verlieĂen Jerusalem, als viele andere Menschen den RĂźckzug der RĂśmer als Zeichen der Sicherheit deuteten. In allen diesen Fällen bestand der Glaube darin, Gottes Wort hĂśher zu achten als den augenblicklichen Eindruck.
4. đĽ Die lange TrĂźbsal der Gemeinde
Die Prophezeiung Jesu reichte ßber Jerusalem hinaus. Die Geschichte der christlichen Gemeinde kennt lange Zeiten schwerer Verfolgung. Bereits die ersten Christen wurden unter rÜmischen Kaisern gefangen genommen, gefoltert und getÜtet. Später entstanden religiÜs-politische Systeme, die Menschen verfolgten, weil sie ihrem Gewissen und dem Wort Gottes treu bleiben wollten.
Daniel hatte eine Macht vorausgesehen, die Gottes Volk bedrängen und seine Gebote angreifen wßrde:
âUnd er wird Worte reden gegen den HĂśchsten und die Heiligen des HĂśchsten aufreiben; und er wird danach trachten, Zeiten und Gesetz zu ändern.â
Daniel 7,25
Offenbarung 12 beschreibt die Gemeinde als eine Frau, die vor dem Drachen fliehen muss:
âUnd die Frau floh in die WĂźste, wo sie eine von Gott bereitete Stätte hat, damit man sie dort ernähre 1260 Tage.â
Offenbarung 12,6
Nach dem prophetischen Tag-Jahr-Prinzip entsprechen diese 1260 Tage einer geschichtlichen Periode von 1260 Jahren. Diese Zeit begann mit der Festigung der religiÜs-politischen Vorherrschaft des mittelalterlichen Papsttums und reichte bis 1798, als diese Macht einen schweren politischen Schlag erlitt. Dennoch bedeutet die Aussage Jesu ßber die Verkßrzung der Tage, dass die intensive Verfolgung nicht während des gesamten Zeitraums mit derselben Heftigkeit andauerte.
Ellen White fasst diesen Zusammenhang so zusammen:
âIn seinem Erbarmen verkĂźrzte Gott diese Feuerprobe fĂźr sein Volk.â
Sie erklärt anschlieĂend, dass der Einfluss der Reformation dazu beitrug, die Verfolgung bereits vor dem Ende der 1260 Jahre zurĂźckzudrängen. Ellen G. White, Vom Schatten zum Licht, Kapitel 15: âDie Bibel und die FranzĂśsische Revolutionâ
Die Reformation war deshalb nicht nur eine theologische Auseinandersetzung. Durch die Wiederentdeckung der Bibel, die VerkĂźndigung der Rechtfertigung aus Glauben und den Kampf um Gewissensfreiheit setzte Gott der religiĂśsen UnterdrĂźckung Grenzen. Die Verfolgung verschwand nicht Ăźberall und nicht sofort, aber ihre unbeschränkte Macht wurde gebrochen. Gott verkĂźrzte die Feuerprobe, indem er Licht aufgehen lieĂ, Menschen erweckte, politische Entwicklungen lenkte und Räume schuf, in denen sein Wort wieder Ăśffentlich verkĂźndigt werden konnte.
Dieser geschichtliche Zusammenhang zeigt, dass Gott die Tage auf unterschiedliche Weise verkßrzen kann. Er kann eine Tßr zur Flucht Üffnen, wie bei Jerusalem. Er kann eine Bewegung der Erneuerung hervorrufen, wie in der Reformation. Er kann Machtsysteme begrenzen, politische Verhältnisse verändern oder Menschen befähigen, der Unterdrßckung entgegenzutreten. Die Werkzeuge sind verschieden, aber die Herrschaft bleibt dieselbe.
5. âď¸ Die letzte Krise und Gottes bleibende Grenze
Die Prophezeiung Jesu weist zugleich auf die letzte Krise vor seiner Wiederkunft hin. Die Offenbarung beschreibt eine Zeit, in der religiĂśse VerfĂźhrung, politische Macht und wirtschaftlicher Druck miteinander verbunden werden. Menschen werden vor die Entscheidung gestellt, ob sie menschlichen Anordnungen folgen oder den Geboten Gottes treu bleiben.
âUnd es bringt alle dahin, die Kleinen und die GroĂen und die Reichen und die Armen und die Freien und die Sklaven, dass man ihnen ein Malzeichen gebe an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn und dass niemand kaufen oder verkaufen kann als nur der, welcher das Malzeichen hat.â
Offenbarung 13,16â17
Die letzte Krise wird daher nicht nur eine wirtschaftliche, politische oder gesellschaftliche Erschßtterung sein. Im Mittelpunkt steht die Frage der Anbetung. Wem gehÜrt unsere hÜchste Treue? Welche Autorität bestimmt unser Gewissen? Werden wir Gottes Geboten gehorchen, wenn Gehorsam mit Nachteilen verbunden ist?
Als Siebenten-Tags-Adventisten erkennen wir im Sabbat des vierten Gebotes ein besonderes Zeichen der SchÜpferautorität Gottes. Der Sabbat erinnert uns daran, dass wir uns nicht selbst erschaffen, nicht selbst erlÜsen und nicht aus eigener Kraft bewahren kÜnnen. Er ruft uns jede Woche dazu auf, im vollendeten Werk Gottes zu ruhen und ihm als SchÜpfer und ErlÜser zu vertrauen.
âGedenke des Sabbattages, ihn zu heiligen. Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun; aber der siebte Tag ist Sabbat fĂźr den HERRN, deinen Gott.â
2. Mose 20,8â10
In der letzten Krise wird die Treue zu Gottes Gesetz nicht durch bloĂes Wissen bewahrt. Wer den Sabbat heute nur als richtige Lehre kennt, aber nicht gelernt hat, sein ganzes Leben Christus anzuvertrauen, wird durch prophetische Information allein nicht standhalten. Die letzte Entscheidung wird sichtbar machen, wem unser Herz bereits gehĂśrt.
Gottes Verkßrzung der Tage bedeutet auch hier, dass die letzte Krise nicht endlos dauern wird. Offenbarung 17 beschreibt Mächte, die nur fßr eine begrenzte Zeit handeln:
âUnd die zehn HĂśrner, die du gesehen hast, sind zehn KĂśnige, die noch kein Reich empfangen haben, aber mit dem Tier eine Stunde Macht wie KĂśnige empfangen.â
Offenbarung 17,12
Die âeine Stundeâ weist auf die KĂźrze ihrer letzten Machtentfaltung hin. Das BĂśse erreicht zwar einen erschreckenden HĂśhepunkt, aber gerade dieser HĂśhepunkt steht unmittelbar vor seinem Ende. Die Mächte dieser Welt kĂśnnen den Eindruck erwecken, sie hätten endgĂźltig gesiegt. In Wahrheit nähert sich ihre Herrschaft dem Gericht Gottes.
6. đĄď¸ Bewahrung bedeutet nicht immer Verschonung
Wir mßssen sorgfältig verstehen, was die Bibel unter Bewahrung versteht. Gott bewahrt seine Kinder nicht immer davor, kÜrperliches Leid zu erfahren. Viele treue Menschen wurden verfolgt, eingekerkert oder getÜtet. Hebräer 11 berichtet zunächst von Menschen, die durch den Glauben KÜnigreiche bezwangen, LÜwen den Rachen verschlossen und dem Schwert entkamen. Danach lesen wir jedoch von anderen Gläubigen, die ebenfalls treu waren, aber keine sichtbare Befreiung erlebten:
âAndere aber wurden gefoltert, da sie die Befreiung nicht annahmen, um eine bessere Auferstehung zu erlangen. Andere aber wurden durch VerhĂśhnung und GeiĂelung versucht, dazu durch Fesseln und Gefängnis. Sie wurden gesteinigt, zersägt, versucht, starben durch den Tod des Schwertes.â
Hebräer 11,35â37
Beide Gruppen lebten aus demselben Glauben. Die einen wurden aus der Gefahr gerettet, die anderen blieben Gott bis in den Tod treu. Bewahrung bedeutet deshalb im tiefsten Sinn, dass keine Macht uns von Christus trennen kann.
Jesus sagte zu seinen JĂźngern:
âUnd ihr werdet von allen gehasst werden um meines Namens willen. Und nicht ein Haar von eurem Haupt wird verloren gehen. Gewinnt eure Seelen durch euer Ausharren!â
Lukas 21,17â19
Auf den ersten Blick scheint dieser Text widersprßchlich zu sein. Jesus hatte kurz zuvor angekßndigt, dass einige seiner Nachfolger getÜtet werden wßrden, und dennoch erklärte er, kein Haar ihres Hauptes werde verlorengehen. Er sprach von einer Bewahrung, die tiefer reicht als das irdische Leben. Menschen kÜnnen den KÜrper tÜten, aber sie kÜnnen das ewige Leben nicht rauben, das in Christus verborgen ist.
Paulus drĂźckt dieselbe Gewissheit aus:
âWer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder BlĂśĂe oder Gefahr oder Schwert? [âŚ] Aber in diesem allen sind wir mehr als Ăberwinder durch den, der uns geliebt hat.â
RĂśmer 8,35.37
Wir sind nicht deshalb Ăberwinder, weil uns âdies allesâ erspart bleibt. Paulus sagt, dass wir âin diesem allenâ Ăźberwinden. Die Bewahrung Christi zeigt sich darin, dass Bedrängnis unseren Glauben nicht zerstĂśren, Angst unsere Hoffnung nicht auslĂśschen und Verfolgung uns nicht von seiner Liebe trennen kann.
7. đ Der Glaube, der die TrĂźbsal durchsteht, entsteht heute
Die Vorbereitung auf die groĂe TrĂźbsal beginnt nicht mit dem Sammeln mĂśglichst vieler Informationen Ăźber zukĂźnftige Ereignisse. Sie beginnt mit der täglichen Entscheidung, Christus zu vertrauen. Wer heute in kleinen Schwierigkeiten sofort das Gebet aufgibt, Gottes Wort vernachlässigt oder gegen sein Gewissen handelt, wird nicht plĂśtzlich in einer weltweiten Krise einen unerschĂźtterlichen Glauben besitzen. Der Charakter entwickelt sich in den Entscheidungen des Alltags.
Jesus sagt:
âWer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch in vielem ungerecht.â
Lukas 16,10
Wenn wir heute lernen, ehrlich zu bleiben, obwohl eine LĂźge bequemer wäre, bereitet Gott uns vor. Wenn wir vergeben, obwohl unser Stolz verletzt wurde, bereitet er uns vor. Wenn wir den Sabbat treu halten, obwohl andere Erwartungen an uns stellen, bereitet er uns vor. Wenn wir Gottes Wort hĂśher achten als die Stimmung unserer Umgebung, wächst in uns jener Glaube, der auch in grĂśĂeren PrĂźfungen bestehen kann.
Ellen White beschreibt die kommende GlaubensprĂźfung nicht als Gelegenheit, versäumte Vorbereitung nachzuholen. Sie zeigt, dass Gottes Volk bereits vorher lernen muss, sich an Christus zu klammern. In ihrer Darstellung der letzten TrĂźbsal betont sie, dass die Gläubigen trotz Angst und verzĂśgerter Antwort nicht aufhĂśren, zu Gott zu flehen. Ihr Glaube lässt nicht nach, weil sie gelernt haben, sich wie Jakob an die VerheiĂung Gottes zu klammern. Ellen G. White, Vom Schatten zum Licht, Kapitel 39: âDie Zeit der TrĂźbsalâ
Dabei dßrfen wir Vorbereitung nicht mit dem Versuch verwechseln, aus eigener Kraft eine sßndlose Vollkommenheit hervorzubringen. Unsere Sicherheit liegt nicht in der Vorstellung, wir kÜnnten irgendwann so stark werden, dass wir Christus kaum noch brauchten. Das Gegenteil ist wahr. Geistliche Reife bedeutet, immer vollständiger zu erkennen, dass wir ohne Jesus nichts tun kÜnnen.
âBleibt in mir und ich in euch! Wie die Rebe nicht von sich selbst Frucht bringen kann, sie bleibe denn am Weinstock, so auch ihr nicht, ihr bleibt denn in mir.â
Johannes 15,4
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Bin ich stark genug fßr die letzte Krise? Die richtige Frage lautet: Bleibe ich heute in Christus? Wenn die Rebe mit dem Weinstock verbunden bleibt, erhält sie alles, was sie zum Leben braucht. Wenn wir mit Jesus verbunden bleiben, wird er uns fßr jede Aufgabe die Kraft geben, die wir zu der jeweiligen Zeit benÜtigen.
8. đď¸ Der Heilige Geist bereitet Gottes Volk vor
Jesus kßndigte nicht nur Bedrängnis an. Er versprach seinen Jßngern auch die Hilfe des Heiligen Geistes:
âWenn sie euch aber hinfĂźhren, um euch zu Ăźberliefern, so sorgt euch vorher nicht, was ihr reden sollt, sondern was euch in jener Stunde gegeben wird, das redet! Denn nicht ihr seid die Redenden, sondern der Heilige Geist.â
Markus 13,11
Diese VerheiĂung bedeutet nicht, dass wir die Bibel heute vernachlässigen dĂźrfen. Der Heilige Geist erinnert uns an das Wort, das wir aufgenommen haben, vertieft unser Verständnis und schenkt uns in der entscheidenden Stunde Klarheit und Mut. Die Vorbereitung besteht daher nicht in hektischer Angst, sondern in einem Leben, das sich täglich fĂźr das Wirken des Geistes Ăśffnet.
Paulus schreibt:
âBetrĂźbt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden seid auf den Tag der ErlĂśsung hin!â
Epheser 4,30
Im Zusammenhang dieses Verses spricht Paulus ßber unser alltägliches Verhalten. Bitterkeit, Zorn, Geschrei, Lästerung und Bosheit sollen abgelegt werden; Freundlichkeit, Barmherzigkeit und Vergebungsbereitschaft sollen unser Leben prägen. Die Versiegelung fßr die letzte Krise ist deshalb nicht von der Veränderung unseres Charakters zu trennen. Der Heilige Geist befestigt uns in der Wahrheit, indem er die Wahrheit in unserem Leben wirksam werden lässt.
Wir kĂśnnen nicht auf eine zukĂźnftige AusgieĂung des Heiligen Geistes hoffen, während wir seine leise Stimme heute zurĂźckweisen. Wenn er uns auffordert, eine SĂźnde zu bekennen, eine Beziehung zu ordnen, einem Menschen zu vergeben oder einem klaren Gebot Gottes zu gehorchen, sollen wir nicht warten. Jede angenommene Korrektur vertieft unsere Empfänglichkeit; jeder bewusste Widerstand verhärtet das Herz.
Die gute Nachricht lautet, dass Gott selbst dieses Werk in uns vollbringen mĂśchte:
âDer Gott des Friedens selbst aber heilige euch vĂśllig; und vollständig mĂśge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus! Treu ist, der euch beruft; er wird es auch tun.â
1. Thessalonicher 5,23â24
Unsere Heiligung ist Gottes Werk, dem wir uns im Glauben Üffnen. Derjenige, der uns beruft, wird uns auch befähigen. Darin liegt unsere Hoffnung.
9. đ¤ Gott bewahrt ein Volk, nicht nur einzelne Menschen
In Zeiten der Angst besteht die Gefahr, dass jeder nur noch an seine eigene Sicherheit denkt. Die Bibel beschreibt die Gemeinde jedoch als einen Leib. Wenn ein Glied leidet, leiden alle mit; wenn ein Glied getrĂśstet wird, empfangen auch die anderen neue Kraft.
âUnd lasst uns aufeinander achthaben, um uns zur Liebe und zu guten Werken anzureizen, indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das umso mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht!â
Hebräer 10,24â25
Je näher der Tag Christi kommt, desto notwendiger wird echte Gemeinschaft. Wir brauchen keine Gemeinde, die nur nebeneinander Gottesdienst besucht, sondern eine geistliche Familie, in der Menschen fĂźreinander beten, einander ermutigen, Lasten tragen, Lebensmittel teilen, Kranke versorgen, Einsame aufnehmen und Verängstigte mit den VerheiĂungen Gottes stärken.
Während der Flucht aus Jerusalem konnten Familien einander helfen. Alte Menschen mussten gestßtzt, Kinder getragen und Vorräte geteilt werden. Auch in der letzten Krise wird selbstlose Liebe ein sichtbares Zeugnis dafßr sein, dass Gottes Geist in seinem Volk wirkt. Satan versucht, Menschen durch Angst voneinander zu trennen. Christus verbindet seine Kinder durch Liebe.
âEiner trage des anderen Lasten, und so werdet ihr das Gesetz des Christus erfĂźllen.â
Galater 6,2
Eine Gemeinde bereitet sich deshalb nicht nur durch prophetische Seminare auf die Zukunft vor. Sie bereitet sich ebenso vor, indem sie heute lernt, barmherzig, verlässlich und versĂśhnt miteinander zu leben. Wenn wir uns bereits in ruhigen Zeiten wegen kleiner Unterschiede bekämpfen, wie wollen wir dann unter äuĂerem Druck fĂźreinander einstehen? Christus mĂśchte unsere Gemeinschaft jetzt heilen, damit seine Liebe in der Krise nicht erkaltet, sondern umso heller sichtbar wird.
10. đ¤ď¸ Die TrĂźbsal hat ein Ende, weil Christus wiederkommt
Wenn Jesus sagt, dass die Tage verkßrzt werden, lenkt er unseren Blick auf das Ende der Bedrängnis. Die Weltgeschichte bewegt sich nicht endlos von einer Krise zur nächsten. Sie geht der sichtbaren Wiederkunft Jesu entgegen.
âUnd sogleich nach der Bedrängnis jener Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschĂźttert werden. Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen.â
Matthäus 24,29â30
Die groĂe TrĂźbsal endet nicht, weil die Menschheit aus eigener Kraft eine vollkommene Friedensordnung errichtet. Sie endet, weil Christus eingreift. Derselbe Jesus, der auf dem Ălberg vor der kommenden Bedrängnis warnte, wird in Macht und Herrlichkeit erscheinen.
âUnd sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit groĂer Macht und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her.â
Matthäus 24,30â31
Beachten wir, wohin die verkßrzten Tage fßhren: zur Sammlung der Auserwählten. Gott verkßrzt die Bedrängnis nicht nur, damit Menschen ihr bisheriges Leben fortsetzen kÜnnen. Er beendet die Geschichte der Sßnde, um sein Volk endgßltig zu sich zu nehmen.
Johannes sah diese ErlĂśsten vor dem Thron Gottes:
âDiese sind es, die aus der groĂen Bedrängnis kommen, und sie haben ihre Gewänder gewaschen und sie weiĂ gemacht im Blut des Lammes. Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel.â
Offenbarung 7,14â15
Sie stehen nicht vor dem Thron, weil sie sich selbst bewahrt hätten. Ihre Kleider sind im Blut des Lammes gewaschen. Ihre Rettung beruht vollständig auf dem Opfer Jesu. Sie haben die groĂe Bedrängnis Ăźberwunden, weil sie sich an denjenigen hielten, der sie bereits am Kreuz erlĂśst hatte.
Der Mittelpunkt der letzten Botschaft ist deshalb nicht die TrĂźbsal, sondern das Lamm. Wir werden nicht dadurch bereit, dass wir ununterbrochen Ăźber das BĂśse nachdenken, sondern indem wir Jesus betrachten, seine Gnade annehmen, seinem Wort gehorchen und seinen Charakter widerspiegeln.
đ Schluss: Gott kennt die letzte Stunde
Kehren wir zu Matthias, Hanna und ihren Kindern zurĂźck. In jener Nacht verlieĂen sie Jerusalem, ohne zu wissen, wie lange ihre Flucht dauern und wo sie ein neues Zuhause finden wĂźrden. Sie besaĂen keinen vollständigen Plan fĂźr die kommenden Jahre. Sie hatten nur das Wort Jesu und die Gelegenheit, danach zu handeln.
Mirjam fragte ihren Vater, wie lange die schwere Zeit dauern wßrde. Er konnte ihr keinen Termin nennen, doch er konnte ihr etwas Sichereres geben als einen Termin: die Gewissheit, dass Gott bereits das Ende der Bedrängnis kennt.
Auch wir kennen nicht alle Einzelheiten dessen, was vor uns liegt. Wir wissen nicht, welche persÜnlichen Prßfungen uns begegnen, wie schnell sich gesellschaftliche Entwicklungen verändern oder auf welche Weise die letzte Krise beginnen wird. Jesus fordert uns auch nicht auf, jedes Detail im Voraus zu kennen. Er fordert uns auf, ihm zu vertrauen.
Vielleicht befindet sich jemand bereits heute in einer persÜnlichen Zeit der Trßbsal. Eine Krankheit dauert länger als erwartet, eine familiäre Belastung scheint kein Ende zu nehmen, eine finanzielle Sorge wird jeden Morgen neu wach, oder ein Gebet scheint unbeantwortet zu bleiben. Dann erinnert uns unser Haupttext daran, dass Gott die Grenzen unserer Prßfung kennt. Wir kÜnnen sie vielleicht nicht sehen, aber sie sind vorhanden.
David betete:
âMeine Zeit steht in deinen Händen.â
Psalm 31,16
Unsere Zeit steht nicht in den Händen des Zufalls, nicht in den Händen unserer Feinde und nicht in den Händen der Krise. Sie steht in Gottes Händen. Derjenige, der den Anfang kennt, hat auch das Ende festgesetzt. Er wird sein Volk nicht verlassen, und er wird die Macht des BÜsen nicht eine Stunde länger bestehen lassen, als seine Weisheit und Barmherzigkeit es zulassen.
đŁ Aufruf
Liebe Gemeinde, die erste Frage dieser Predigt lautet: Vertraue ich dem Wort Jesu auch dann, wenn meine Augen etwas anderes zu sagen scheinen? Die Christen in Jerusalem sahen ein rĂśmisches Heer, das sich zurĂźckzog. Sichtbar schien die Gefahr vorĂźber zu sein, doch das Wort Jesu forderte sie zum Handeln auf. Auch wir mĂźssen lernen, Gottes Wort Ăźber unsere augenblicklichen EindrĂźcke, Ăźber gesellschaftliche Mehrheiten und Ăźber menschliche Sicherheiten zu stellen.
Die zweite Frage lautet: Lebe ich heute in einer Verbindung mit Christus, die mich auch in einer grĂśĂeren PrĂźfung tragen kann? Wir mĂźssen nicht darauf warten, dass die letzte Krise beginnt. Heute ist die Zeit, unsere SĂźnden zu bekennen, das Gebet zu pflegen, die Bibel ernsthaft zu studieren, den Sabbat treu zu heiligen, verletzte Beziehungen zu ordnen und dem Heiligen Geist zu erlauben, unseren Charakter zu verändern.
Die dritte Frage lautet: Bin ich bereit, mich von Christus auch durch eine PrĂźfung hindurchfĂźhren zu lassen, die er nicht sofort entfernt? Manchmal bitten wir Gott nur darum, die Schwierigkeit zu beenden. Er mĂśchte uns jedoch zugleich lehren, ihm mitten in der Schwierigkeit zu vertrauen. Seine Bewahrung besteht nicht immer darin, dass wir keinen Sturm erleben, sondern darin, dass der Sturm uns nicht aus seiner Hand reiĂen kann.
Wenn du heute sagen mĂśchtest: âHerr Jesus, ich weiĂ nicht, was die Zukunft bringt, aber ich mĂśchte dir vollständig vertrauenâ, dann triff diese Entscheidung jetzt in deinem Herzen. Wenn du erkennst, dass Angst, prophetische Spekulation oder menschliche Sicherheiten wichtiger geworden sind als deine Beziehung zu Christus, bringe sie ihm. Bitte ihn nicht nur, dich vor der kommenden Krise zu bewahren, sondern dich heute zu einem Menschen zu machen, der in seiner Wahrheit, seiner Liebe und seiner Gnade fest gegrĂźndet ist.
đ Schlussgebet
Herr Jesus Christus, wir danken dir, dass du deinen JĂźngern die Zukunft nicht verborgen hast. Du hast von Bedrängnis, Verfolgung und VerfĂźhrung gesprochen, aber du hast deine Warnung mit einer VerheiĂung verbunden. Du hast uns zugesichert, dass die Tage der TrĂźbsal begrenzt sind und dass keine Macht dein Volk aus deiner Hand reiĂen kann.
Vergib uns, wenn wir beim Lesen der Prophetie mehr auf die Krise als auf dich geschaut haben. Vergib uns, wenn wir uns von erschreckenden Nachrichten, Spekulationen oder menschlichen Berechnungen bestimmen lieĂen. Hilf uns, zu verstehen, dass du nicht mĂśchtest, dass wir in Angst leben, sondern dass wir wachsam, nĂźchtern und fest im Glauben stehen.
Lehre uns, deinem Wort mehr zu vertrauen als unseren Augen. Schenke uns den Gehorsam der Christen, die Jerusalem verlieĂen, als du ihnen einen Weg zur Flucht Ăśffnetest. Bewahre uns davor, deine Warnungen aufzuschieben, nur weil die sichtbaren Umstände im Augenblick sicher erscheinen.
Wir bitten dich um einen Glauben, der nicht erst in der letzten Krise entstehen soll, sondern heute in uns wächst. Hilf uns, in den kleinen Entscheidungen des Alltags treu zu sein. Lehre uns, ehrlich zu handeln, bereitwillig zu vergeben, den Sabbat zu lieben, dein Wort zu bewahren und der Stimme deines Heiligen Geistes ohne VerzÜgerung zu folgen.
Reinige unsere Herzen von Bitterkeit, Stolz, Selbstvertrauen und verborgener Sßnde. Lass uns nicht versuchen, aus eigener Kraft fßr die Zukunft stark zu werden. Verbinde uns so eng mit dir, wie die Rebe mit dem Weinstock verbunden ist. Lass deine Kraft in unserer Schwachheit vollkommen werden und deine Liebe in uns wachsen, damit sie auch in Zeiten der Bedrängnis nicht erkaltet.
Wir bitten dich fßr deine Gemeinde. Mache uns zu einer geistlichen Familie, die fßreinander betet, Lasten miteinander trägt und niemanden in seiner Not allein lässt. Heile verletzte Beziehungen, ßberwinde Misstrauen und lehre uns, schon heute jene selbstlose Liebe zu leben, die in einer kommenden Krise sichtbar machen wird, dass wir deine Jßnger sind.
Sei besonders bei allen Menschen, die bereits jetzt eine persÜnliche Zeit der Trßbsal erleben. Stärke die Kranken, trÜste die Trauernden, begleite die Einsamen, versorge diejenigen, die nicht wissen, wie es weitergehen soll, und schenke den Wartenden neuen Mut. Wenn du eine Prßfung nicht sofort entfernst, gib ihnen die Gewissheit, dass du ihre Grenze kennst und keinen Augenblick ihrer Tränen vergisst.
Bereite uns auf deine Wiederkunft vor. Bewahre uns vor Verfßhrung, befestige uns in deinem Wort und versiegle uns durch deinen Heiligen Geist. Wenn menschliche Gesetze in Konflikt mit deinen Geboten geraten, gib uns Mut, dir treu zu bleiben. Lass uns nicht aus Trotz oder Stolz handeln, sondern aus Liebe zu dir und aus einem Gewissen, das vollständig deinem Wort gehÜrt.
Herr Jesus, wir kennen nicht die Dauer jeder PrĂźfung, aber wir kennen dich. Wir wissen nicht, wie dunkel die letzte Nacht werden wird, aber wir wissen, dass du bereits den Morgen bestimmt hast. Wir kennen nicht alle Wege, auf denen du dein Volk fĂźhren wirst, aber wir wissen, dass du keinen deiner ErlĂśsten vergessen wirst.
Halte uns fest, wenn unsere eigene Kraft versagt. Bewahre unseren Glauben, wenn Antworten ausbleiben. Erhalte unsere Liebe, wenn die Gesetzlosigkeit Ăźberhandnimmt, und richte unseren Blick auf den Augenblick, in dem du mit groĂer Macht und Herrlichkeit wiederkommen wirst.
Wir danken dir, dass die Trßbsal nicht das letzte Wort hat. Das letzte Wort gehÜrt dir, unserem ErlÜser und wiederkommenden KÜnig. Bis zu jenem Tag legen wir unser Leben, unsere Familien, unsere Gemeinde und unsere Zukunft in deine Hände.
In deinem heiligen Namen beten wir.
Amen.
