Jesus wirkt am Kinderherzen | Dipl.Päd. Erika Piesslinger

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Ich erinnere mich noch gut an eine evangelische Religionsstunde, als ich ungefähr sieben Jahre alt war. Der Pfarrer erzählte uns die biblische Geschichte vom Wunder zu Kana. Es war dies das erste Wunder Jesu.

 

Fotoquelle: www.pixabay.com/de

Ich hörte wie immer begeistert zu und dann bekamen wir den Auftrag, die sechs großen Krüge zu zeichnen. Während ich meine Stifte herausholte, kamen mir einige Gedanken in den Kopf.

Sollte Jesus Wein gemacht haben? So viel Wein in so großen Krügen bis zum Rand gefüllt? Unter „Wein“ verstand ich natürlich diesen grauenhaften Alkohol, vor dem mir so sehr ekelte, obwohl ich ihn nie probiert hatte.

Es war, als ob ein Sturm durch mein Gehirn fegte, denn ich dachte an meine liebe Freundin Greti, die mir sehr ans Herz gewachsen war. Jeden Tag gingen wir beide zwei Stunden lang zu Fuß zur Schule und immer wartete ich darauf, bis ich sie endlich den kleinen Feldweg bis zu unserem Haus heraufkommen sah und wir gemeinsam unseren Fußmarsch antreten konnten. Ach, wie liebte ich meine Greti! Und wie sehr tat sie mir leid, wenn ihr Vater von Zeit zu Zeit betrunken an unserem Haus vorbeitaumelte, böse Worte herausschrie und uns Kinder erschreckte in diesem fürchterlichen Rauschzustand. Mein Vater erklärte mir, dass Gretis Vater oft sehr betrunken sei vom Wein.

Und jetzt sollte ich die Krüge zeichnen!

Ich fasste allen Mut zusammen und sagte zum Pfarrer:“ Jesus hat keinen Wein gemacht.“

„Doch, doch, Jesus hat Wein gemacht! Wein ist ein edler Tropfen. Du verstehst das noch nicht“, war die Antwort des alten Pfarrers.

Ich sagte nichts mehr, aber in meinem kleinen Kinderherzen verstärkte sich der Gedanke, dass mein Jesus sicherlich k e i n e n Wein (Alkohol) gemacht hat, denn er möchte doch nicht, dass wir Menschen uns so benehmen wie Gretis Vater.

 

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Auf dem Nachhauseweg redete ich still mit Jesus:

„Herr Jesus, ich weiß, dass du keinen Alkohol gemacht hast. Ich weiß das ganz bestimmt.“

Ich dachte, ich wäre allein auf der ganzen weiten Welt mit meiner Sichtweise, blieb aber fest entschlossen bei meiner Ansicht.

Jahre später, ich war schon im Gymnasium, fuhr ich mit dem Schulbus. Neben mir saß eine sehr schweigsame Mitschülerin. Plötzlich blieb der Bus stehen und das Mädchen sagte zu mir:

„Schau aus dem Fenster. Siehst du, was da unten liegt?“ Ein Auto war einige Meter tief über die Böschung gestürzt. Es lag als Wrack auf dem Dach. „Das ist mein Papa“, sagte sie leise weinend. „Er ist tot.“

Mir schnürte es die Kehle zu. Ich rang nach Luft. Ihr Papa ist tot. Er war jeden Tag betrunken gewesen und der Wein hat ihm schließlich das Leben gekostet. Drei unmündige Kinder und eine trauernde Ehefrau blieben zurück. Das hat also der „edle Tropfen“ aus diesem Familienvater gemacht.

In diesen Minuten stieg in mir ein Hass auf gegen Alkohol und ich habe nochmals in meinem Inneren beschlossen, nie in meinem Leben Alkohol in irgendeiner Form anzurühren. Für mich war es eine neuerliche Bestätigung, dass Jesus bei der Hochzeit zu Kana kein alkoholisches Getränk in Form von Wein gemacht hat.

Weingeist verträgt sich nicht mit dem Heiligen Geist Gottes.

Als ich vierzehn Jahre alt war, legte ich meiner Mutter eine Liste vor mit den Eigenschaften, die mein zukünftiger Mann, falls ich jemals heiraten sollte, haben müsste. Einer dieser Punkte lautete: „Keinen Tropfen Alkohol, ansonsten würde ich ihn nicht ehren und achten können.“

Mama antwortete, dass dies zwar gut und fein wäre, dass es aber leider einen solchen Mann nicht gäbe. Daher beschloss ich kurzerhand, nicht zu heiraten.

Als ich nach meiner Konfirmation mit vierzehn Jahren zum ersten Mal am Abendmahl teilnehmen durfte, war das ein sehr feierliches, ernstes Ereignis für mich. Dass im Abendmahlskelch Wein war, konnte ich nicht verstehen. ALKOHOL als Symbol für das kostbare Blut des Gottessohnes, der uns durch sein Leiden und Sterben erlöst hat – das überstieg mein Verstehen so weit, dass ich vor einem großen Fragezeichen stand.

Damals, als ich mutterseelenallein mit meiner Meinung dastand, wusste ich noch nicht, dass es eine christliche Gemeinde gibt, die Gott ins Leben gerufen hat und die den Grundsatz hochhält, dass der Mensch ein Tempel des Heiligen Geistes ist, den wir als bekennende Christen nicht durch irgendwelche Suchtgifte oder Alkohol verunreinigen dürfen. Wie tröstlich wäre es für mich als Kind und Jugendliche gewesen, hätte ich damals schon gewusst, dass Gott meine Sichtweise durch sein persönliches Wort bekräftigt!

Wie gut unser Gott es mit uns meint! Wie kostbar und lebensspendend seine himmlische Herrschaftsordnung doch ist! O, würden wir es nur begreifen und nicht unsere eigenen Wege gehen, losgelöst von seinem guten Rat!

Es gibt mir viel Mut und großes Vertrauen in Gott, wenn ich darüber nachdenke, wie unser Papa im Himmel schon kleine Kinder an sein Herz bindet, Erkenntnis keimen und wachsen lässt noch lange bevor das Kind ihn darum bittet und wie er den Weg ebnet für das, was er später mit dem Kindlein vorhat.

„Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn ihnen gehört das Himmelreich“, sagte Jesus, als die Mütter mit ihren Kleinen kamen, damit er sie segne.

 

Zum Nachdenken:

Beim Wort „Wein“ in der Weintraube denkt keiner, dass die Traube voller Alkohol ist, sondern eben Traubensaft enthält. Im Hebräischen, dem Grundtext des Alten Testaments, gibt es nur ein einziges Wort für den ausgepressten Saft der Weintraube. Genauso ist es im Griechischen, dem Grundtext des Neuen Testaments. Aus dem Zusammenhang wird klar, ob vom vergorenen Saft oder vom süßen Saft die Rede ist.

Martin Luther hat in seinem Kommentar zur Hochzeit von Kana klargestellt, dass es in Johannes 2,10 nicht „betrunken“ heißt, sondern „trunken“, das heißt satt getrunken, nämlich vom Saft der Weintraube. Man hat genug und braucht momentan nichts mehr. Es wäre äußerst seltsam, wenn Jesus, nachdem schon alle betrunken sind, wie manche meinen, noch einmal 600 Liter Alkohol produziert hätte, damit endgültig der letzte Gast betrunken am Boden liegt. Der Zusammenhang macht klar, dass es Traubensaft von köstlicher Qualität war.

Dipl.Päd. Erika Piesslinger

Jesus wirkt am Kinderherzen | Dipl.Päd. Erika Piesslinger

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