Dem Ertrinken nahe | Dipl.Päd. Erika Piesslinger

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Fotoquelle: www.pixabay.com/de

Ich war noch ein kleines Mädchen im Volksschulalter, als in unserem kleinen Dorf im südburgenländischen Hügelland ein kleines, öffentliches Schwimmbad errichtet wurde.

Das war ein Hallo für uns Schüler! In der letzten Unterrichtsstunde durften wir als Klasse ins etwa knietiefe Wasser springen. Niemand hatte ein Badezeug mit, also stürzten wir uns in der Unterwäsche ins kühle Nass. Wir hatten auch kein Gewand zum Umziehen und keine Handtücher zum Abtrocknen. Aber so weit haben wir vor lauter Freude und Begeisterung gar nicht vorausgedacht. Niemand von den Schülern konnte schwimmen, aber wir alle waren im Wasser und hatten das größte Vergnügen, das man sich nur vorstellen kann.

 

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Wo hätten wir auch vor fünfzig Jahren schwimmen lernen können? Urlaube wie heutzutage gab es nicht und wir vermissten sie auch nicht.

Wenn ich an einem heißen Sommertag nach getaner Arbeit auf den Feldern oder Wiesen mit meiner vier Jahre jüngeren Schwester ins Schwimmbad gehen durfte, war dies eine wunderschöne, aufregende Belohnung für unsere Mithilfe im bäuerlichen Arbeitsleben. Dass wir eine Stunde zu Fuß gehen um dorthin zu gelangen und auch wieder eine Stunde nach Hause laufen mussten, störte uns nicht im Geringsten. Die Eltern besaßen kein Auto und deshalb wurde alles zu Fuß erledigt, auch die Einkäufe und der tägliche Weg zur Schule. Schulbusse, die vor der Haustüre die Schüler abholen, gab es nicht.

Niemand lehrte uns das Schwimmen und so beobachteten wir einfach die, die es schon konnten und versuchten, es ihnen nachzumachen.

 

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Meine Eltern, die wegen der vielen Arbeit nie Zeit hatten mit uns zu gehen, gaben mir und meiner kleinen Schwester einen riesengroßen schwarzen Reifen aus Gummi mit. Er sah aus wie der weiche Teil eines großen Traktorreifens.

Als ich eines Nachmittags mit diesem großen Ungetüm schwimmen lernen wollte, passierte es.

 

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Ich war schon ganz nahe am Beckenrand, konnte diesen aber nicht erreichen. Ich ruderte verzweifelt, versank mit meinem Kopf unter meinem großen schwarzen Reifen und mir war bewusst, dass dies meine letzten Minuten vor dem Sterben waren. Was sollte ich tun? Mich festklammern am Rande des Beckens! Ich streckte meine kleine Hand danach aus, konnte aber immer nur ins Leere greifen. So nahe und doch zu weit weg um gerettet zu werden.  In höchster Todesangst und beinahe ohnmächtig, weil ich schon so viel Wasser geschluckt hatte und mich aus dem Reifen nicht befreien konnte, schrie ich leise zu Gott: „Hilf mir, hilf mir, hilf mir bitte“!

Plötzlich war es, als ob mich eine unsichtbare, fremde Hand zum Beckenrand führte. Ich konnte mich festhalten, ich war gerettet!

Keiner der Badegäste hatte irgendetwas bemerkt. Jeder war mit sich beschäftigt. Es wurde gelacht, gescherzt, geschrien, doch ich wusste, dass in all diesem Trubel ein Gott im Himmel mein leises Rufen gehört hat. Große Dankbarkeit erfüllte mein kleines, zitterndes Herz. Niemand hat je von dieser meiner Not etwas erfahren, denn ich schloss mein Erlebnis in meinem Herzen ein. Doch an diesem späten Nachmittag kam ein Mädchen nach Hause, das eine große Erfahrung mit dem Allmächtigen gemacht hat.

Dipl.Päd. Erika Piesslinger

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